Donnerstag, 9. Februar 2012, 13:38 Uhr

manager magazin



05.07.2002
 

Dieter Wedel

Wer abkupfert, muss zahlen

"Die Affäre Semmeling" hat teure Folgen. Regisseur Wedel, der Rowohlt Verlag und das ZDF müssen zahlen - wegen Ideenklau aus einem Buch über Lothar Späth.

Stuttgart - Am Ende waren sich im Streit um die Fernsehserie "Die Affäre Semmeling" (1998) alle einig - und dennoch Welten voneinander entfernt. Zumindest offiziell sind die Vorwürfe der Deutschen Verlags-Anstalt (DVA) gegen den TV-Produzenten Dieter Wedel vom Tisch. Wedel, das ZDF und das ORF folgten am Donnerstag vor dem Stuttgarter Landgericht einer Empfehlung der Richter und erklärten sich bereit, 38.350 Euro an die DVA zu zahlen.

  Muss zahlen:  Dieter Wedel
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Muss zahlen: Dieter Wedel

Der Münchner Verlag wirft Wedel vor, er habe für seine 13 Millionen Euro teure und beim Publikum gefloppte Serie widerrechtlich aus dem Roman "Monrepos oder Die Kälte der Macht" zitiert. Autor Manfred Zach sei nicht um sein Einverständnis gefragt worden. Wedel bestritt dies jedoch vor der 17. Zivilkammer am Donnerstag heftig.

"Zach hat meinen Bekanntheitsgrad benutzt, um auf sich aufmerksam zu machen", warf der Fernsehproduzent ("Der Schattenmann") dem Stuttgarter Schriftsteller und früheren Sprecher der Regierung Späth vor. Zach, der heutige Abteilungsleiter im Sozialministerium, habe ihn und die Wirkung des Films nachhaltig beschädigt, kritisierte Wedel, der wie stets mit dunkler Sonnenbrille und langem Regencoat auftrat.

Zitateklau eindeutig nachgewiesen

Nach Ansicht der DVA haben Wedel und die beiden Sender das Urheberrecht verletzt. Wedel habe für seine "Semmelings" zu großen Teilen widerrechtlich abgeschrieben. In der Serie seien wortwörtliche Zitate aus "Monrepos" gefallen, wies DVA-Geschäftsführer Jürgen Horbach der Kammer anhand von Vergleichen nach.

Ganze Handlungsstränge und Figurenkonstellationen stammten aus dem Buch Zachs. Abmahnungen seien folgenlos geblieben, die vom Verlag geforderten Unterlassungen seien nicht abgegeben worden, hatte auch die DVA zuvor betont. Horbach wies vor allem den Vorwurf zurück, sein Verlag habe sich durch den Erfolg Wedels bereichern wollen. "Das Buch ist erfolgreich genug, wir brauchen keine zusätzliche Werbung."

Der Regisseur bestreitet die Vorwürfe

Wedel und sein Anwalt betonten dagegen, die Informationen stammten aus einem langen Gespräch des Produzenten mit Zach. Zu diesem Zeitpunkt seien Handlung und Charakter der Serie bereits festgelegt gewesen. Weitere Ähnlichkeiten beruhten auf politischen oder historischen Fakten.

  Diente als Vorbild:  Lothar Späth
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Diente als Vorbild: Lothar Späth

"Das ist Geschichte, und Geschichte ist nicht schutzfähig", sagte Wedels Berliner Anwalt Christian Schertz. Den sechs ähnlichen Seiten ständen insgesamt 900 Seiten Drehbuch gegenüber. Einzig sachgerechte Lösung des Rechtsstreits sei ein Informantenhonorar.

Im ZDF-Sechsteiler "Die Affäre Semmeling", der Anfang des Jahres im Durchschnitt von 5,59 Millionen Menschen gesehen wurde, erzählt Wedel vom Ärger mit dem Finanzamt und den Intrigen in der Hamburger Lokalpolitik.

Auch in "Monrepos" spielen Polit-Skandale die Hauptrolle. Zach - damals noch Sprecher der baden-württembergischen Landesregierung - hatte die Karriere des früheren Stuttgarter Regierungschefs Lothar Späth (CDU) darin nachgezeichnet.

Späth hatte sein Amt Anfang der neunziger Jahre im Zuge der so genannten "Traumschiff-Affäre" aufgegeben und ist heute Chef der Jenoptik AG Chart zeigen. Der 64-Jährige zählt zum Kompetenzteam von Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber.

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