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03.06.2002
 

Die Malik-Kolumne

Führungsstil ist nicht wichtig

Von Fredmund Malik

2. Teil: Erziehung tut not

Warum elementare Manieren entscheidend sind

Mein zweites Argument ist: Nicht Stil, sondern etwas ganz anderes ist wichtig. Ein wesentlicher Aspekt kommt leider in der Managementausbildung kaum zur Sprache: Wirklich entscheidend sind elementare Manieren. Man kann es auch Anstand oder Kinderstube nennen.

Was ich meine, sind nicht hochgezüchtete Höflichkeitsrituale, sondern - wie ich klar sage - elementare Manieren. Man braucht heute den Damen nicht mehr die Hände zu küssen – es sei denn, man arbeitet in Wien. In Frankfurt erwartet das niemand, und jede New Yorkerin wird uns wegen sexueller Belästigung vor den Richter bringen, wenn man auch nur den Versuch dazu unternimmt.

Was ich meine, sind nicht Protokoll und Etikette. Ob einer Krustentiere protokollgerecht essen kann, ist selten erfolgsentscheidend, obwohl ich nicht davon abraten will, auch das zu lernen.

Erziehung tut not

Es geht um sehr viel schlichtere Dinge. Zum Beispiel darum, dass man gelegentlich "bitte" und "danke" sagt - auch zu seinen Mitarbeitern. Darum, dass man die Leute ausreden lässt, ihnen zuhört, ihnen nicht ins Wort fällt, sie nicht anschreit, seine Launen nicht zeigt usw.

Das alles hat mit Stil nicht das geringste zu tun. Es sind Dinge, die man zu Hause lernt; und wenn man es als Führungskraft mit Leuten zu tun hat, die das offenbar dort nicht gelernt haben, dann muss man es am Arbeitsplatz von ihnen einfach verlangen und darf keine Kompromisse machen – dann muss man sie eben erziehen, nicht in Stil ausbilden.

Wenn Menschen sich treffen, entsteht Reibung

In der Physik gibt es ein Naturgesetz. Es sagt: Wenn feste Körper sich treffen, entsteht Reibung. Organisationen sind Orte, wo feste Körper, nämlich Menschen, sich treffen - und daher entsteht Reibung. Es entstehen Konflikte. Manieren sind nun nicht der Treibstoff, nicht die Energie, die eine Organisation voranbringen. Sie sind aber der "Schmierstoff", der die Reibung erträglich macht.

Menschen sind eckig und kantig; und keine Organisation kann so gut sein, dass nicht Konflikte entstünden, genau so wenig, wie man einen Motor so konstruieren kann, dass es keine Reibung gibt. Elementare Manieren sind die Voraussetzung dafür, dass Menschen einigermaßen vernünftig zusammen arbeiten können. Sie sind viel billiger, als jede Führungsstil-Ausbildung oder eine Reorganisation. Sie sind auch viel wirksamer. Und man kann sie schneller etablieren, als alles andere.


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