Donnerstag, 9. Februar 2012, 08:24 Uhr

manager magazin



18.01.2002
 

Kim Schmitz

Zugriff in Bangkok

Das war's dann wohl. Der wegen mutmaßlichen Insiderhandels international gesuchte Dotcom-Blender ist in Bangkok festgenommen worden. Seine selbstinszenierte Flucht währte nicht lange - zwei Tage, um genau zu sein.

München/Bangkok - Der wegen betrügerischen Insiderhandels international gesuchte Münchener Computer-Experte Kim Schmitz ist in Bangkok festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft München I bestätigte am Freitag einen entsprechenden Bericht von "Telebörse Online".

Dem 27-Jährigen wird vorgeworfen, unter Ausnützung von Insiderwissen Aktien für 375.000 Euro gekauft und mit Millionengewinn kurz danach für 1,5 Millionen Euro wieder abgestoßen zu haben. Offenbar handelte es sich um Papiere der schwer angeschlagenen Nemax-Firma Letsbuyit.com Chart zeigen, die bereits mehrfach negativ aufgefallen war.

Aufsichtsamt hatte Insider-Verfahren eingeleitet

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) hatte im Sommer vergangenen Jahres ein förmliches Insider-Verfahren eingeleitet, nachdem die Aktie des Unternehmens vor einer Ad-hoc-Meldung vom 25. Januar 2001 bei auffällig hohen Umsätzen deutlich angestiegen war.

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Gerüchte über Insider-Geschäfte im Vorfeld der Ad-hoc-Meldung hatte es bereits seit einiger Zeit gegeben. Der Hintergrund: Anfang des Jahres war plötzlich wieder Leben in die Aktie gekommen, nachdem der ehemalige Hacker Kim Schmitz verkündet hatte, seine Gesellschaft Kimvestor wolle mit einem großen Geldbetrag bei Letsbuyit einsteigen.

Die Rede war von 50 Millionen Euro, die bis Ende Februar überwiesen werden sollten. Diese Überweisung ging allerdings nie bei Letsbuyit ein.

Schmitz-Firma stellte Insolvenz-Antrag

Nun müsse man abwarten, wie es weitergehe und wann der Beschuldigte nach Deutschland überstellt werde, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die Münchener Behörde hatte nach einem Hinweis des Bundesaufsichtsamts für den Wertpapierhandel die Ermittlungen eingeleitet und beim Amtsgericht München den Haftbefehl erwirkt.

Schmitz gilt als schillernde Figur. Er war als Computer-Hacker in München bekannt geworden und hatte seine Kenntnisse über Sicherheitslücken später an Firmen verkauft. Seine eigene Firma Data Protect stellte 2001 einen Insolvenzantrag.

Schmitz selber vermutete hinter der Firmenpleite eine Stratat und teilte dies der Öffentlichkeit in einer Pressemeldung mit. Darin heißt es: "Die Kimvestor AG verklagt den Gesellschafter TÜV Rheinland/Brandenburg und den Geschäftsführer der TÜV Data Protect, Detlev Henze, auf Schadenersatz. Gegen Henze wurde außerdem Strafanzeige gestellt."

Begründet wird die Klage wie folgt: "Der Gesellschafter TÜV Rheinland/Brandenburg und der Geschäftsführer Detlev Henze haben nach Ansicht der Kimvestor AG das Unternehmen TÜV Data Protect GmbH absichtlich in die Insolvenz geführt."

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