Von Fredmund Malik
Unheilvolle Verwechslung von Aktionär und Unternehmer
Was hier vorliegt, ist eine – einfach zu erkennende – Verwechslung des Zwecks der Aktionäre mit dem Zweck des Unternehmens, und eine höchst fragwürdige Gleichsetzung von beiden. Es ist auch die gefährliche Verwechslung dessen, was heute als Investor bezeichnet wird mit dem, was unter einem Unternehmer zu verstehen ist, wobei selbstverständlich auch der unternehmerische Manager eingeschlossen ist. Deren Interessen und die Logik ihrer Situation sind grundverschieden, was man einfach daran erkennen kann, dass zwar jeder Unternehmer ein Investor sein muss, aber nur wenige Investoren Unternehmer sind.
Die Interessen des Unternehmers sind, zumindest zu seinen Lebzeiten, in so hohem Masse gleichgerichtet mit jenen seines Unternehmens, dass eine Unterscheidung unnötig ist und in die Nähe der Haarspalterei gerät. Heute ist das aber nicht mehr so. Die Performance-Vorstellungen heutiger Aktionäre, die fälschlich mit dem Unternehmer gleich gesetzt werden, haben insbesondere in ihrer Erscheinungsform als Funds und Funds-Manager, fast gar nichts mehr gemeinsam mit jener Performance, die das Unternehmen braucht.
Die Folgen dieser unheilvollen Verwechslung werden erst dann für alle erkennbar sein, wenn sich der die Wirtschaft vernebelnde Wall-Street-Dunst verzogen hat. In Japan sind die Schäden allerdings seit Jahren sichtbar, und ein Ende ist trotz aller Regierungsprogramme noch nicht sichtbar. Man könnte daraus lernen.
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