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manager magazin



27.08.2001
 

General Electric

"Neutronen Jack" räumt den Chefsessel

Am siebten September will der John F. Welch seinem Kronprinz Jeff Immelt die Führung über den US-Mischkonzern übertragen. Über die Ruhestandspläne des 65-Jährigen wird schon heftig spekuliert.

John F. "Jack" Welch will sich in Zukunft lieber um sein Baseballteam als um General Electric kümmern.

John F. "Jack" Welch will sich in Zukunft lieber um sein Baseballteam als um General Electric kümmern.

New York - John F. ("Jack") Welch tritt am siebten September als Chef des amerikanischen Mischkonzerns General Electric (GE) ab und übergibt seinem Nachfolger Jeff Immelt endgültig die Führung. Der 65-Jährige hat General Electric 20 Jahre lang geleitet und dank einer aggressiven Expansionsstrategie zum teuersten Unternehmen der Welt gemacht.

Heute beträgt der Gesamtwert der GE-Aktien rund 403 Milliarden Dollar. Als der promovierte Chemieingenieur Welch 1981 Unternehmenschef wurde, betrug der GE-Börsenwert nur zwölf Milliarden Dollar.

Ruhestand in der Warteschleife

Welch wollte eigentlich schon Anfang des Jahres abtreten, doch sah er die Chance, den riesigen Elektronik- und Rüstungskonzern Honeywell International für rund 45 Milliarden Dollar zu schlucken. Aus dem krönenden Abschluss der Welch-Karriere wurde jedoch nichts, weil ihm EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti mit kartellrechtlichen Vorbehalten einen Strich durch die Rechnung machte.

Aber auch so ist GE mit einem Umsatz von 130 Milliarden Dollar, 313.000 Mitarbeitern und einem Gewinn von 12,7 Milliarden Dollar eines der weltgrößten und profitabelsten Unternehmen. 1981, bei Welchs Amtsantritt, hatte GE 27 Milliarden Dollar umgesetzt und 1,6 Milliarden Dollar verdient.

100.000 Mitarbeiter entlassen

Welch hatte sich gleich zu Beginn seiner Zeit als Konzernchef den Spitznamen "Neutronen Jack" eingehandelt, als er 100.000 Mitarbeiter entließ, rund ein Viertel aller GE-Beschäftigten. Gemeint war die Wirkung der Neutronenbombe, die Gebäude unversehrt lässt, während sie Menschen tötet.

Danach baute Welch das Unternehmen im In- und Ausland mit zahllosen Firmenkäufen und interner Expansion gezielt aus. GE schluckte die riesige US-Fernsehgesellschaft NBC. Welch hat seit 1990 mehr als 30 Milliarden Dollar für Firmenkäufe in aller Welt ausgegeben. Er hat die GE Capital zu einem der größten Finanzdienstleister der Welt gemacht.

Von der Glühbirne bis zum Flugzeugtriebwerk

Die GE-Produktpalette reicht von Glühbirnen über Haushaltsgeräte bis hin zu Kraftwerken, Flugzeugtriebwerken, Kunststoffen, medizintechnischen Geräten und Informationstechnologie-Produkten. Welch hatte immer nach der Erfolgsdevise gehandelt: GE muss in allen Branchen, in denen das Unternehmen aktiv ist, Nummer eins oder mindestens Nummer zwei sein.

Der Manager wurde am 19. November 1935 in Peabody im US-Bundesstaat Massachusetts geboren. Nach dem Studium fing er 1960 bei GE an. Er wurde 1972 einer von vielen Vizepräsidenten und 1981 Unternehmenschef und Verwaltungsratsvorsitzender.

300 Millionen für ein Baseballteam?

Welch-Nachfolger wird GE-Präsident und designierter Verwaltungsratsvorsitzender Jeffrey ("Jeff") R. Immelt (44). Immelt hatte vorher die GE Medical Systems geleitet, die medizintechnische GE-Sparte. Er hatte sich von 1982 an die Sporen in der Kunststoffsparte und im globalen Marketing- und Produktmanagement verdient.

Langweilig wird Welch auch im Ruhestand nicht werden. Zusammen mit seinem Freund Chuck Dolan wolle er für 300 Millionen Dollar sein Lieblings-Baseballteam kaufen, hatte eine deutsche Zeitung im Juli gemeldet. Die Boston Red Sox sind bisher nur mäßig erfolgreich und damit eine echte Herausforderung für den Vollblut-Manager. Am 11. September veröffentlicht er außerdem ein Buch. Allein die US-Rechte waren dem Verlag 7,1 Millionen Dollar wert.

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