Wann fiel Ihre Entscheidung, sich in der Versicherungsbranche selbständig zu machen?
Lautenschläger: Ich hatte gerade das zweite Staatsexamen hinter mir und war Volljurist. Ein Versicherungsberater, Eicke Mascholleck, kam auf mich zu, um mich zu beraten. Mir gefiel der Mann, der meine Sprache sprach, und mir gefiel die Tatsache, dass es sich um einen von Versicherungsgesellschaften unabhängigen Berater handelte.
mm.de MLP hat eine sehr klare Zielgruppenorientierung. War es Ihre Idee, nur an Akademiker heranzugehen?
Lautenschläger: Die Idee hatte ein Jurist aus Freiburg. Er hatte Marschollek als Mitarbeiter gewonnen, aber als ich mit einstieg, trennten Marschollek und ich uns bald von ihm. Die Zielgruppe 1968/69 waren Juristen, die in Baden-Württemberg das zweite Staatsexamen machten. Wir interessierten uns vor allem für zukünftige leitende Angestellte, niedergelassene und angestellte Anwälte. Bei denen war enormer Beratungsbedarf. 1970 fingen wir mit den Medizinern an.
mm.de Gründerzeit - begann der Aufstieg von MLP auch in einer Garage?
Lautenschläger: Ich hatte als Gerichtsreferendar eine Zwei-Zimmerwohnung und habe dann am Wohnzimmertisch mit der Arbeit angefangen.
mm.de Was hat Sie als Gerichtsreferendar dazu bewegt, umzuschwenken und Versicherungen zu verkaufen?
Lautenschläger: Für mich war interessant, dass ich als Berufsanfänger in einer mir völlig fremden Materie wunderbar frei arbeiten konnte. Hinzu kam der finanzielle Aspekt: Als Versicherungsberater verdiente ich bereits 1970, im ersten vollen Berufsjahr, im Durchschnitt 3500 Mark. Das war das Doppelte dessen, was ein Volljurist damals verdiente.
mm.de Und dann ging es bergauf?
Lautenschläger: Ich konnte sehen, dass es da etwas aufzubauen gibt. Dennoch fiel es mir schwer als Volljurist, der sich das Recht erworben hat, eine schwarze Robe zu tragen, an die Haustür zu gehen und zu sagen: "Guten Tag, mein Name ist Lautenschläger, ich möchte Ihnen Versicherungen verkaufen." Damals verfügten, wenn es hoch kommt, 20 Prozent der Studenten über ein eigenes Telefon. Das heißt, es blieb kein anderer Weg, man musste hin.
mm.de 1978 verunglückte Ihr Partner Eicke Marschollek bei einem Schlittenunfall. Was bedeutete das für Sie? Was bedeutete das für das Unternehmen?
Lautenschläger: Für mich bedeutete es einen ungeheuren Reifeprozess. Von einem Tag auf den anderen fehlte mir mein Counterpart. Ich bin eigentlich ein Teamarbeiter, kein einsamer Entscheider. Ich musste mich umorientieren, alleine führen - natürlich in Abstimmung mit den damals schon vorhandenen Führungskräften, den Geschäftsstellenleitern. Es fehlte mir aber derjenige, mit dem ich mich in die Stube zurückziehen und besprechen konnte.
mm.de Was steht hinter dem Erfolg von MLP?
Lautenschläger: Das Geheimnis des Erfolgs liegt einmal in den Gründerjahren, mit diesem aufmüpfigen Geist gegen das Gewöhnliche, gegen Hierarchien. Man wollte seine Persönlichkeit entfalten. Und dieser Geist der Außenseiterbande hat zusammengeschweißt.
Ein weiterer Grund ist seriöses, kaufmännisches Arbeiten. Wir wurden ja schnell nachgeahmt mit unserer Geschäftsidee. Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre kamen die ganzen Steuer-Abschreibungs-Künstler auf den Markt und sind bald wieder verschwunden. Ich habe mich darin unterschieden, dass ich nicht nur ein guter Verkäufer war, sondern auch die andere Seite der Gewinn- und Verlustrechnung im Blick hatte. Ich habe stets die Kosten im Griff behalten.
mm.de: Sie haben in Ihrem Buch "Mythos MLP" geschrieben, dass Sie nie ein Karrieretyp waren. Was machen Sie anders?
Lautenschläger: Unter Karrieretyp verstehe ich jemanden, der irgendwo angestellt ist und sein Verhalten danach orientieren muss, dass er gewissen Leuten wohl gefällt. Dabei kommt es ihm nicht ausschließlich auf die Leistung an. Für mich war immer wichtig, von solchen Erwägungen frei sein zu können.
mm.de Woraus schöpfen Sie Ihre Kraft?
Lautenschläger: Wenn ich jetzt sage, Familie, klingt das abgedroschen. Aber wenn ich hinzufüge, dass ich mit einer einzigen Frau, mit der ich immer noch verheiratet bin, fünf Kinder habe, ist die Antwort zumindest - denke ich - glaubwürdig belegt.
mm.de Was bedeutet für Sie Reichtum?
Lautenschläger: Unabhängigkeit. Das Gefühl, dass mein Geld für den Rest meines Lebens reichen wird, sofern nicht eine Katastrophe über Europa hereinbricht. Es spielt auch keine Rolle, ob ich nun der 40-reichste Deutsche bin oder Nummer 4000.
Reichtum bedeutet für mich auch, ein bisschen davon zurückzugeben. Ich habe vor zwei Jahren eine Stiftung ins Leben gerufen, aus der heraus ich ein paar ganz gescheite Sachen mache.
Das Interview führte mm.de-Redakteurin Katy Hillmann
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