Der Makel der Gehätschelten
McKinsey-Manager Dörr ist von der Idee "Gründer und erfahrene Experten unter einem Dach" überzeugt: "Die Firmen entwickeln sich wesentlich schneller bei geringeren Kosten."
Kritiker hingegen beklagen die mangelnde Professionalität vieler Brutstätten: In den Inkubatoren werde zu viel ausprobiert statt sauber strukturiert.
Wer Hilfe bei der Suche nach Büros oder bei der Personalbeschaffung brauche, sei ohnehin keine Investition wert, meint Paul Vickery, Direktor der größten europäischen Wagniskapitalfirma 3i. Viele Gründer scheuen daher den Einzug in einen Inkubator, weil sie glauben, dass sie bei weiteren Finanzierungsrunden den Makel der Gehätschelten tragen.
Virtuelle Inkubatoren
Einige Betreiber haben bereits auf die Kritik an den Rundum-Sorglos-Konzepten reagiert. Sie bieten sämtliche Leistungen eines Inkubators an, von der Veredelung des Businessplans bis zur Suche nach geeigneten Investoren. Räumlichkeiten stellen sie indes nicht zur Verfügung.
Diese virtuellen Inkubatoren erfüllen zwei Aufgaben zugleich. Sie geben Gründern die Chance, ihre Ideen professionell aufzubereiten und weiterzuentwickeln. Für Wagniskapitalgeber und Konzerne wiederum filtern sie die Flut der Geschäftsideen.
Eine der ersten Firmen, die dieses Geschäftsfeld entdeckte, ist die Münchener Global-Startup. Unter dem Motto: "Gründer für Gründer" hilft Claudia Blümhuber (31) bei der Analyse des Geschäftsmodells und der Fokussierung der Investment-Story. Im dritten Schritt kümmert sie sich um die Finanzierung und die Suche nach strategischen Partnern.
Erstellt Global-Startup eine Präsentation für potenzielle Investoren, kostet das 10.000 Euro. Für die Vermittlung einer Finanzierungsrunde verlangt Blümhuber Anteile am Unternehmen, in der Regel zwischen 3 und 5 Prozent. Stephan Schwenk (37), Mitgründer des Berliner Unternehmens Webcast Media, ist voll des Lobes über Blümhubers Arbeit. "Global-Startup hat unser Businessmodell auf den Punkt gebracht und den Kontakt zu wichtigen Geldgebern hergestellt." Derzeit präpariert Blümhuber die Berliner für die zweite Finanzierungsrunde.
Partner genau prüfen
Für Gründer, die frei von administrativem Kleinkram ihr Geschäft vorantreiben wollen, sind Inkubatoren immer noch sehr sinnvoll. Sie sollten sich allerdings die Mühe machen, mögliche Partner genau zu prüfen. Mindestens so wichtig wie die Leistungen der Berater sind die Netzwerke, über die sie verfügen. Wer auf Nummer sicher gehen will, achtet darauf, dass im Firmennamen der Förderer das Wort Inkubator nicht auftaucht. Dann laufen die Gründer nicht Gefahr, in die Nähe unreifer Frühgeborener gerückt zu werden.
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