Sonntag, 26. Juni 2016

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 Yelp-Chef Jeremy Stoppelman "Wir wollen fairen Wettbewerb gewährleisten"

Yelp, Tripadvisor & Co.: Die besten Tipps im Netz
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Gabriela Hasbun

Mit der Übernahme des EU-Marktführes Qype wollte das US-Bewertungsportal Yelp eigentlich einen Kickstart in Europa hinlegen. Doch die neuen Regeln lösten einen Sturm der Entrüstung aus. Yelp-Gründer Jeremy Stoppelman über strategische Fehler, Abschreckung und die Goldgruben der Zukunft.

mm: Herr Stoppelman, Sie haben vor zwei Jahren 50 Millionen für die Übernahme des europäischen Marktführers Qype ausgegeben. Ein Geschäft, das Ihnen jetzt jede Menge Ärger bereitet. Weil manche Läden durch die Migration zu Yelp in der Bewertung abgestützt sind, sind viele Unternehmer verärgert und werfen Ihnen unlautere Methoden vor. Mal ganz abgesehen vom Imageverlust. Hat Sie der holprige Übergang Kunden gekostet?

Stoppelman: Klar gibt es Leute, die ihre Qype-Konten bei uns nicht weiterführen. Und zugegeben: Unter den Geschäftskunden waren einige ziemlich erstaunt und auch verärgert über die Änderungen, die mit dem Umstieg auf den Yelp-Algorithmus verbunden waren. Aber dessen Zweck ist es ja in erster Linie, die Verbraucher zu schützen. Und von Seiten der Verbraucher war der Aufschrei nicht so groß.

mm: Und die schützen Sie besser als Qype?

Stoppelman: Anders als beispielsweise Qype halten wir nichts davon, dass Unternehmen Freunde oder besonders gute Kunden dazu aufrufen, Kritiken zu schreiben. Das verzerrt nur das Bild. Deshalb versuchen wir, falsche oder unglaubwürdige Bewertungen herauszufiltern. Wir wollen nicht, dass diejenigen Betriebe, die das beste Selbstmarketing betreiben, das beste Rating kriegen, sondern die, die den besten Job machen. Wenn wir nicht sicher sind, ob es sich um zuverlässige Bewertungen handelt oder wir Grund zur Vermutung haben, dass die Bewerter nicht neutral sind, landen sie in einer eigenen Sektion. Dann kann man sie immer noch einsehen. Aber sie fließen nicht in die Bewertung ein

mm: Würden Sie im Rückblick bei der Umstellung etwas anders machen?

Stoppelman: Wir hätten das Ganze besser kommunizieren können, Geschäftsinhaber auf die anstehende Umstellung schon im vorhinein hinweisen können. Aber weil es in allen anderen Ländern, die davor von Qype auf den Yelp-Algorithmus migriert sind, keinerlei Probleme gab, sind wir gar nicht auf die Idee gekommen.

mm: Und keiner hat sich beschwert - nur die Deutschen?

Stoppelman: Nur die Deutschen. Das war eine echte Überraschung.

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