Donnerstag, 28. Juli 2016

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Harter Stellenabbau und Verkäufe Marissa Mayer stellt Yahoo quasi zum Verkauf

Zeigt sie jetzt die eingeforderte Härte? Einzelnen Aktionären reichen die Ankündigungen von Yahoo-Chefin Mayer nicht

Yahoo-Chefin Marissa Mayer stellt das Kerngeschäft des angeschlagenen Online-Pioniers zur Disposition und plant milliardenschwere Verkäufe. Auch 15 Prozent der Arbeitsplätze fallen weg. Aggressiven Hedgefonds geht das alles nicht weit genug.

Einzelne Investoren fordern schon länger den Kahlschlag beim kriselnden Internet-Pionier Yahoo - gleich samt Absetzung ihrer Chefin Marissa Meyer. Die noch vergleichsweise frische Zwillingsmutter, der es aus Sicht ihrer Kritiker bislang an der nötigen Härte zu mangeln scheint, holt jetzt zum gewünschten Kahlschlag aus.

Mit 15 Prozent der insgesamt gut 10.700 Jobs fällt dieser zwar zunächst kleiner aus als von aggressiven Hedgefonds wie SpringOwl gefordert. Doch stellt Mayer mit den gestern nach Börsenschluss gemachten Ankündigungen das Unternehmen quasi zum Verkauf.

So will Yahoo nicht nur kräftig Stellen abbauen, sondern auch Büros und Produkte aufgeben, erwägt den Verkauf von Immobilien und ganzer Unternehmensteile. Was sich hinter der kolportierten Suche "nach strategischen Alternativen" verbirgt, ist nicht viel weniger als ein Unternehmen zur Disposition zu stellen.

Milliardenschwerer Verkauf von Immobilien und Patenten geplant

Im Gegensatz zum übermächtigen Google, das gestern zum wertvollsten Konzern vor Apple avancierte, hapert es beim Internet-Pionier nach wie vor beim Kerngeschäft Online-Werbung. Während die Umsätze der ausgelagerten Alphabet-Tochter im Kerngeschäft um 18 Prozent hochschnellten, brachte es Yahoo im vergangenen Quartal mal gerade auf ein Plus von 1,6 Prozent.

Unter dem Strich präsentierte Mayer nach milliardenschweren Firmenwertabschreibungen vor allem in den USA (3,7 Milliarden) einen Verlust von 4,43 Milliarden Dollar. Google wies für das Schlussquartal einen Gewinn von 4,92 Milliarden Dollar aus.

Mit Blick auf den Stellenabbau gibt Mayer Repräsentanzen in Madrid, Mailand, Dubai, Buenos Aires und Mexiko-Stadt auf, so dass Yahoo zum Jahresende noch 9000 feste Mitarbeiter beschäftigen wird. Den Spareffekt beziffert Mayer mit 400 Millionen Dollar. Dabei ist die Belegschaft seit 2012 schon um 42 Prozent.

Kerngeschäft steht zur Disposition

Der Verkauf von Patenten und Immobilien soll bis zu drei Milliarden Dollar einspielen. Bei einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 25 Milliarden Euro wäre das beachtlich. Die Aktie hat in den letzten 12 Monaten mehr als ein Drittel ihres Werts verloren. Zum Vergleich: Der Wettbewerber Google ist an der Börse mehr als da Zwanzigfache wert.

Wenn Marissa Mayer nun erklärte, den Verkauf des Geschäfts mit der Online-Suche, Webseiten und E-Mail zu prüfen, bekräftigte sie damit Andeutungen vom Dezember. Als ein möglicher Interessent dieses Geschäfts gilt nach Reuters-Informationen der US-Mobilfunker Verizon. Eine diskutierte Alternative ist aber auch, das bisherige Internet-Kerngeschäft in ein neues Unternehmen auszulagern.

Dem Hedgefonds SpringOwl geht das alles nicht weit genug. Die eigentlichen Probleme bei Yahoo, darunter "schlechte" strategische Partnerschaften, "außer Kontrolle" geratene Ausgaben und eine "aufgeblähte" Belegschaft, wie es der Investor formulierte, ginge Mayer damit nicht an.

Investoren wie SpringOwl sehen Mayers Strategie, die 2012 zu Yahoo kam und das Unternehmen aus der Krise manövrieren sollte, als gescheitert an. Ihr Kalkül, Wachstum durch milliardenschwere Zukäufe zu generieren, scheint nicht aufzugehen. So hat die Yahoo-Chefin offenbar auch auf den in 2015 für 1,1 Milliarden Dollar erworbenen Microblog-Dienst Tumblr einen dreistelligen Millionenbetrag abgeschrieben, wie Business-Insider berichtet.

Investoren zeigten sich von Mayers Plänen auch nicht sonderlich beeindruckt. Nachbörslich verlor das Papier rund 2 Prozent.

rei mit Nachrichtenagenturen

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