Dienstag, 24. Mai 2016

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Yahoo Das Führungsversagen bei Yahoo

Yahoo-Chefin Marissa Mayer: Vision und Strategie fehlen - Yahoo pendelt zwischen Zukauf und Zerschlagung hin und her

Wenn man heute Menschen nach der Relevanz des Unternehmens Yahoo Börsen-Chart zeigen fragt, erntet man bei Jüngeren oft nur noch ein ahnungsloses Schulterzucken. Ältere erinnern sich: "Kann man damit nicht Mails verschicken?" oder "Die haben doch auch eine Suchmaschine, oder?". Oft ergänzt durch den Hinweis "Braucht man aber nicht. Habe ich schon lange nicht mehr genutzt."

Besser als mit der Abkehr der User und Kunden lässt sich der Absturz von Yahoo nicht beschreiben. Wie aber konnte es dazu kommen, dass ein einstiger Star unter den Internet-Unternehmen aus dem Silicon Valley und jahrelang ein ausgemachter Börsenliebling dermaßen degeneriert, so dass sich nicht nur Kunden sondern auch Investoren abwenden?

Jedenfalls scheint die Geduld von Großinvestoren zu Ende zu gehen. Sie sind enttäuscht von Yahoo's schlechter Performance und fordern eine Radikalkur mit einer vollständigen Neubesetzung des Yahoo-Verwaltungsrates.

Das Ende der Geduld könnte damit zugleich das Ende von Marissa Mayer als Yahoo-Chefin sein. Einen eklatanten Mangel an Führung und Durchblick bemängelt z.B. der Hedgefonds Starboard Value, der die Phalanx der Kritiker derzeit anführt.

Vision, Strategie und Führungskultur - alles fehlt

Ulrich Goldschmidt
  • Copyright: Gerhard Blank
    Gerhard Blank
    Ulrich Goldschmidt ist Vorstands-vorsitzender des Berufsverbandes "Die Führungskräfte" (DFK) in Essen. Der Jurist ist Spezialist für Führungsfragen, Vergütung und Corporate Governance. Außerdem ist er Ansprechpartner für die Sprecherausschüsse der Leitenden Angestellten sowie Berater und Coach für Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder.
Nun wäre es zu billig, Marissa Mayer als die Alleinschuldige an diesem Debakel auszumachen. Als sie 2012 von Google Börsen-Chart zeigen zu Yahoo wechselte, klemmte beim Yahoo-Dampfer bereits die Ruderanlage und man fuhr nur noch im Kreis. Wenn man allerdings an der Spitze eines Unternehmens steht und den Eindruck erweckt, man sei auf dem Weg, die Firma zu retten, ist es nur natürlich, dass man persönlich mit allen Erfolgen aber auch allen Misserfolgen identifiziert wird.

Marissa Mayer und dem gesamten Verwaltungsrat ist es zu keinem Zeitpunkt gelungen, eine Vision zu formulieren und diese in eine stringente Strategie umzusetzen. Was als Vision und Strategie verkauft wurde, schwankte wie das berühmte Rohr im Wind.

Man pendelte beliebig zwischen Ankauf, Übernahme, Verkauf und Zerschlagung hin und her. Weder Shareholder noch Stakeholder wussten zuletzt, wofür Yahoo steht und wohin mit Yahoo die Reise gehen soll.

Ganz im Gegenteil musste man den Eindruck gewinnen, dass die einzige Vision nur noch lautet, das Schiff halbwegs über Wasser zu halten oder sich rechtzeitig einen Platz in den Rettungsbooten zu sichern.

Für die Mitarbeiter als wesentliche Stakeholder-Gruppe sind das verhängnisvolle Signale. Gerade in einer so prekären Situation braucht ein Unternehmen aber hochmotivierte Mitarbeiter, die nicht nur ihren Job machen, sondern Leistungsbereitschaft und Kreativität einbringen. Mitarbeitermotivation sollte für den Arbeitgeber also ganz oben auf seiner Agenda stehen. Es wäre schon schlimm genug, würde Yahoo dieses Thema einfach nur vernachlässigen. Yahoo hat aber den Masterplan entwickelt, mit dem man ganz sicher seine Mitarbeiter demotivieren kann. Anstelle einer Führungskultur hat man eine Misstrauenskultur installiert. Und genau dafür trägt Marissa Mayer die Verantwortung.

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