Sonntag, 28. Mai 2017

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Chinesen legen erstmals Zahlen offen Xiaomis Wachstum frisst die Marge

Hält laut aktuellen Börsendokumenten 77,8 Prozent an Xiaomi: Lei Jun, CEO und Mitgründer des Smartphoneherstellers

Mit Kampfpreisen und einem steten Strom neuer Modelle mischt Xiaomi den Smartphonemarkt auf. Börsendokumente zeigen nun, was Experten bislang nur vermuteten: Das rasante Wachstum frisst die Marge - aber immerhin nicht gänzlich.

Hamburg - Bei einem Umsatz von 4,3 Milliarden Dollar hat der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi im vergangenen Jahr 56 Millionen Dollar Gewinn gemacht. Die nun bekannt gewordenen Zahlen bestätigen, was Analysten bislang nur vermutet hatten: Der rasante Wachstumskurs des Unternehmens hält dessen Rendite klein - die operative Marge liegt unter 2 Prozent.

Apple Börsen-Chart zeigen und Samsung Börsen-Chart zeigen verdienen weit mehr pro verkauftem Smartphone: Der südkoreanische Branchenprimus kam im vergangenen Geschäftsjahr auf eine operative Marge von 18,7 Prozent, die Kalifornier meldeten noch einmal 10 Prozentpunkte mehr. Allerdings fahren beide Unternehmen mit ihren iPhone- und Galaxy-Modellen eine Premium-Strategie und lassen sich diese von ihren Kunden entsprechend teurer bezahlen. Xiaomi liefert ebenfalls Telefone hoher Qualität, verkauft diese aber wesentlich günstiger.

Bislang geht diese Strategie auf: Im Oktober hat sich Xiaomi zum viertgrößen Smartphonehersteller der Welt aufgeschwungen. "Sie wachsen so schnell und so schlank, dass es mich nicht überrascht hätte, wenn sie Geld verbrennen würden", sagte Forrester-Analyst Bryan Wang der Nachrichtenagentur Reuters. Neben der dünnen Marge wirke sich die Preispolitik der Chinesen auch auf den gesamten Markt aus: "Jedes Unternehmen versucht, dem Xiaomi-Preis gleichzukommen. Der Markt ist derzeit so umkämpft, ich glaube nicht, dass er langfristig ohne eine Konsolidierung auskommt." Vor allem Samsung hat unter Xiaomi zu leiden.

Rückschlag im Wachstumsmarkt Indien

Xiaomis Erfolge gründen vor allem auf seiner starken Position im Heimatmarkt: In China ist das Unternehmen bereits die Nummer 1 der Smartphone-Hersteller. Mit den günstigen Preisen hatte es zuletzt auch massiv in Indien expandiert - ein Gericht hat Xiaomis Engagement im am schnellsten wachsenden großen Smartphonemarkt der Welt allerdings gestoppt. Der Mobilfunkausrüster Ericsson hat ein Patentverfahren eröffnet - bis zum 5. Februar, wenn das Gericht in Delhi erneut über den Streit verhandeln will, müssen die indischen Geschäfte der Chinesen deshalb ruhen.

Xiaomi hatte seine Telefone dort erst im Juli auf den Markt gebracht und schnell Erfolge gefeiert: Ursprünglich habe man 10.000 Smartphones pro Woche aus China importieren wollen, sagte Indienchef Manu Jain gegenüber Reuters; schnell habe man die Menge aber auf 100.000 Einheiten erhöhen müssen.

Laut dem Marktforscher IDC besitzt heute nur einer von zehn Indern ein Smartphone - entsprechend stark wachse der Markt: Im dritten Quartal hätten die Verkäufe um 82 Prozent zugelegt. Der chinesische Markt sei im gleichen Zeitraum nur noch um 10,8 Prozent gewachsen. Analysten erwarten entsprechend, dass die Lücke, die Xiaomis Handelsstopp schlägt, schnell von anderen Herstellern gefüllt wird.

Besonders brisant wird das Verfahren zudem, da Xiaomi laut Insiderquellen der Nachrichtenagentur Reuters auch deshalb eher in Südasien statt im Westen expandieren wollte, um den dort üblichen Patentstreitigkeiten zu entgehen.

luk/reuters

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