Freitag, 15. Dezember 2017

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Aus für Windows-Smartphones Darum hinterlässt Microsoft eine Lücke

Ladenhüter: Smartphone mit Windows 10 Mobile

Microsoft stellt die Entwicklung seines Smartphone-Betriebssystems Windows Mobile ein. Damit stirbt eine wichtige Alternative zum Duopol Android/iOS.

Smartphones mit Windows-Betriebssystem? Die gibt es tatsächlich, obwohl wahrscheinlich kaum jemand von ihrer Existenz weiß. Allerdings wohl nicht mehr lange: Microsoft will den Worten des Windows-Chefs Joe Belfiore zufolge die Plattform nicht weiter entwickeln. Neue Hardware ist nicht geplant.

Damit stirbt eine weitere Alternative zu den beherrschenden Betriebssystemen Android von Google und iOS von Apple. Bei einem Marktanteil von weniger als 1 Prozent kommt der Tod nicht unerwartet. Selbst auf dem Höhepunkt konnte Microsoft sich nicht gegen die Konkurrenten behaupten, der Konzern erreicht kaum mehr als 4 Prozent Marktanteil.

Dabei gehörte Microsoft einst zu den Pionieren im Handymarkt, entwickelte 2003 eigene Versionen seines für Pocket-PC entworfenen Betriebssystems zur Nutzung von PDAs und Smartphones. Das war lange vor dem iPhone und Android. Doch mit dem Erfolg von Apples Handy setzte der Niedergang für Microsoft ein. Die Software war langsam und ließ sich auf kleinen Geräten nur schwer bedienen.

Erfolg der Apps verpasst

Zum Todesstoß wurde für Microsoft, dass der Konzern die Entwicklung der Apps verpasste. Zu sehr versuchten die Entwickler, ihre Rezepte vom PC auf das Handy zu übertragen. Sie unterschätzten die Macht der kleinen Programme, die iPhone und Android-Geräte zu nützlichen Alleskönnern machen. Mit seinen auf Windows basierenden Betriebssystemen verlor der Konzern immer mehr Kunden. Auch die Übernahme des einst führenden Handy-Herstellers Nokia konnte daran nichts ändern. Für beide Unternehmen war der Zug abgefahren.

Die Entwicklung von Windows 10 Mobile, das Ende 2015 eingeführt wurde, kam zu spät. Das Betriebssystem wurde zwar von Kritikern positiv aufgenommen, konnte sich aber am Markt nie durchsetzen. Android und iOS hatten den Claim aufgeteilt. Entwickler waren noch nicht einmal mit Geld zu locken. Selbst die einfache Bedienung und die aufgeräumte Oberfläche konnten die Nutzer nicht überzeugen. Andere Alternativen, die teilweise einen Open-Source-Ansatz verfolgen, hatten ebenfalls nie eine Chance gegen die Dominanz von Google und Apple.

Für Smartphone-Nutzer bleiben jetzt nur noch zwei Möglichkeiten, wenn sie sich nicht für eine der frickeligen Open-Source-Varianten entscheiden wollen: Googles Android, das auf rund 85 Prozent aller Handys in unterschiedlichen Konfigurationen läuft oder Apples iOS, das mit knapp 15 Prozent Marktanteil den Rest der Smartphone-Nutzer versorgt.

Garant für funktionierende Infrastruktur

Die Android-Variante ist mit einem hohen Sicherheitsrisiko behaftet, denn die vielen verschiedenen Hersteller reagieren oft nicht schnell genug auf immer neue Sicherheitslücken, die andere ist an eine hochpreisige Monokultur gekoppelt.

Auch wenn sich bisher nur wenige Smartphone-Nutzer für eine Alternative entschieden haben, hinterlässt der Wegfall von Microsofts Windows Mobile eine Lücke. Denn es gibt dadurch neben Android und iOS kein anderes Betriebssystem mehr, das einfach und intuitiv zu bedienen, stabil und gleichzeitig relativ sicher ist. Selbst wenn die Sicherheit von Windows Mobile unter anderem der Tatsache geschuldet war, dass auch die Entwickler von Schadsoftware den Aufwand für den geringen Verbreitungsgrad der Plattform scheuten.

Microsoft war als großer Konzern bisher Garant dafür, dass hinter dem Betriebssystem eine funktionierende Infrastruktur steckte, auf die der Nutzer zurückgreifen konnte - auch für den Preis, nicht sämtliche Apps zu bekommen, die bei Google Play oder im App-Store angeboten werden.

Diese Möglichkeit gibt es nun bald nicht mehr, und das ist ein Verlust, selbst wenn es genug Zeit gab, sich an den Gedanken zu gewöhnen. Aktuell sichert Microsoft für Geräte, die im April das Creators Update erhalten haben, noch einen Support bis Juni 2019 zu.

Jetzt bleibt zu hoffen, dass Apple durchhält. Denn wenn es nur noch ein Betriebssystem für Smartphones gibt, dann hängen wir alle an Googles Tropf - auch wenn es die meisten Leute wohl gar nicht mitbekommen werden.

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