Sonntag, 31. Juli 2016

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"Minority Report" bei US-Großbank Wie JP Morgan skrupellose Mitarbeiter erkennt

Einst galt der Film "Minority Report" mit Tom Cruise als Science-Fiction. Cruise konnte in dem Thriller anhand von Daten Verbrechen vorhersagen. Mittlerweile soll manche Software tatsächlich Verbrechen vorzeitig erkennen können
imago / Unimedia Images
Einst galt der Film "Minority Report" mit Tom Cruise als Science-Fiction. Cruise konnte in dem Thriller anhand von Daten Verbrechen vorhersagen. Mittlerweile soll manche Software tatsächlich Verbrechen vorzeitig erkennen können

Die US-Großbank JP Morgan hat ein Problem: Ihre Kosten für Rechtstreitigkeiten haben sich seit der Finanzkrise auf 36 Milliarden Dollar summiert. Das ist schlecht für die Bilanz. Marktmanipulationen durch Mitarbeiter, riskante Wetten, fragwürdige Hypothekengeschäfte, die Liste der Skandale, in die die Bank verstrickt war, ist lang.

Deshalb greift JP Morgan nun zu drastischen Mitteln: Sie lässt ihre Mitarbeiter überwachen. Ein Algorithmus soll anhand der gewonnenen Daten ein mögliches Fehlverhalten der Mitarbeiter vorhersagen.

JP Morgan testete das Programm bislang nur im Händler-Geschäft. Bis 2016 soll es jedoch auch im Investment-Banking und Vermögensmanagement zum Einsatz kommen. Mitarbeiter, die gegen Regeln verstoßen, sollen identifiziert werden, bevor sie Schaden anrichten können.

So wird beispielsweise überprüft, ob Mitarbeiter Compliance Schulungen schwänzen, Handelsregeln missachten oder bestimmte Risiken überreizen. Anhand der Verhaltensmuster sollen dann Vorhersagen darüber getroffen werden, ob ein Mitarbeiter durch sein Handeln der Bank und Kunden schaden könnte.

"Wir wollen Vorhersagen über Verhaltensmuster treffen"

Für Vorgesetzte sei es schwierig, aus Hunderten von Daten der Mitarbeiter irgendwelche Themen der Händlertische erkennen zu können, sagte Sally Dewar der Nachrichtenagentur Bloomberg. Dewar leitet die Rechtsabteilung der Bank in Europa. "Wir wollen die Datenpunkte weiterentwickeln und Vorhersagen über Verhaltensmuster treffen", sagte sie weiter.

JP Morgan, gemessen am Umsatz die größte Investment Bank der USA, musste genauso wie viele andere Banken zuletzt hohe Strafen zahlen, etwa wegen Markt-Manipulationen, Kundenbetrugs oder wegen der Unterstützung von Kriminellen. Die Entscheidung der Bank für diese Art der Mitarbeiter-Überwachung soll auch Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen, die mangels Kontrolle der Banken die Trennung von Handels- und Privatkundengeschäft befürworten.

Die Bank hat eigenen Angaben zufolge 2500 Mitarbeiter angestellt, die die Einhaltung der Compliance Regeln beaufsichtigen sollen. 730 Millionen Dollar habe die Bank investiert, um ihre Abläufe zu verbessern. Stellenausschreibungen deuten darauf hin, dass die Bank eine eigene Abteilung zu Überwachung der Mitarbeiter aufbaue. So soll etwa die elektronische und telefonische Kommunikation des Investmentbankings überprüft werden.

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