Samstag, 21. Oktober 2017

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Trotz Schwierigkeiten beim Linksabbiegen Google-Schwester soll schon bald fahrerlose Taxis einsetzen

Chrysler-Pacifica-Testwagen von Waymo haben noch Probleme beim Linksabbiegen

Offenbar macht Google-Gründer Larry Page höchstpersönlich Druck. Obwohl es noch einige Probleme gibt, soll die Schwesterfirma Waymo einem Bericht zufolge noch in diesem Jahr selbstfahrende Taxis bereitstellen.

Die Google-Schwester Waymo will einem Bericht zufolge bereits in diesem Jahr mit einem Taxi-Service mit fahrerlosen Autos starten. Die Alphabet-Tochter habe sich demnach Chandler, ein Vorort von Phoenix im US-Bundesstaat Arizona, für den Betrieb ausgesucht. Das schreibt "The Information" unter Berufung auf anonyme Quellen.

Allerdings gebe es dem Bericht zufolge noch technische Schwierigkeiten, die einen angepeilten Start in diesem Herbst hinauszögern könnte. So hätten die Fahrzeuge Probleme beim Linksabbiegen, heißt es. Dies gelte insbesondere dort, wo es keine Ampeln gebe, die mit einem grünen Pfeil den Verkehr regulierten. Weiter Probleme bestünden auf privaten Parkplätzen von Einkaufszentren, die nicht ausreichend kartiert seien, sowie bei Sackgassen.

Waymo habe zudem Schwierigkeiten, ausreichend Fahrzeuge auf die Straßen zu bekommen. Das Unternehmen sollte seit Anfang des Jahres 100 Minivans auf Basis des Pacifica von Fiat Chrysler im Testbetrieb nutzen, 500 weitere sollten später im Jahresverlauf hinzukommen. Allerdings seien derzeit wegen technischer Probleme und eines Rückrufs nur 50 Pacifica im Einsatz.

Page macht Druck

Eigentlich sollte der Dienst bereits Ende 2016 starten. Alphabet-Chef Larry Page selbst habe dem Bericht zufolge Druck gemacht, die selbstfahrenden Autos zur Marktreife zu bringen. Allerdings sei es zunächst nicht gelungen, sich mit dem Autohersteller Ford auf die Produktion von Testwagen zu einigen. Daher sei der Wechsel zu Fiat Chrysler erfolgt.

Die meisten Waymo-Wettbewerber wollen ab 2020 oder 2021 mit selbstfahrenden Fahrzeugen starten. Ein Betrieb bereits in diesem Jahr würde der Google-Schwester daher einen enormen Vorsprung verschaffen. Selbst wenn ein Starttermin erst 2018 realistisch wäre, würde Waymo damit noch vor der Konkurrenz liegen.

Das Unternehmen habe sich Chandler ausgesucht, weil dort relativ stabile Wetterbedingungen herrschten, heißt es in dem Bericht weiter. Zudem gebe es breite, gut ausgebaute Straßen und nur wenige Fußgänger. Außerdem seien die regulatorischen Vorschriften in dem Bundesstaat weniger streng als in anderen. So sei es beispielsweise möglich, selbstfahrende Autos ohne Testfahrer auf die Straße zu lassen, wenn die Fahrzeuge ferngesteuert werden können.

Waymo habe dazu ein entsprechendes Kontrollzentrum eingerichtet. Allerdings hätten Testfahrer bereits öfter eingreifen müssen, um mit ihren Wagen nicht den Verkehr aufzuhalten. Die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Fahrzentrum habe zu lange gedauert.

Die Google-Schwester trägt gerade einen Rechtsstreit mit dem Fahrdienstvermittler Uber aus. Hintergrund ist die Übernahme einer Firma, mit der sich Ex-Google-Mitarbeiter selbstständig gemacht haben. Alphabet wirft Uber vor, sich dabei unrechtmäßig technisches Know-how angeeignet zu haben. Waymo verlangt rund 1,9 Milliarden Dollar Schadenersatz. Der Prozess soll Anfang Dezember starten.

brt

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