Montag, 26. September 2016

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Kapitalerhöhung Warum Rocket Internet jetzt so groß auftischt

Sushi für Feinschmecker: Schon längst haben Essenslieferanten das schlechte Image abgelegt und liefern mehr als fetttriefende Pizza. Rocket Internet will hier den Markt aufrollen
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Sushi für Feinschmecker: Schon längst haben Essenslieferanten das schlechte Image abgelegt und liefern mehr als fetttriefende Pizza. Rocket Internet will hier den Markt aufrollen

Die Kapitalerhöhung so kurz nach dem Börsengang ließ aufhorchen. Oliver Samwer hatte zuvor sehr viel Geld in die Lieferung von Essen investiert. Dabei verspekulierten sich Investoren schon einmal in dieser Branche. Doch Samwer will die Wette diesmal gewinnen.

Hamburg - Sie heißen Hello Fresh, Food Panda, Delivery Hero oder etwa Eat First - und sie sind Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer ein Vermögen wert - und eine Kapitalerhöhung. Anfang Februar gab Samwer bekannt, sein Unternehmen würde das Liefergeschäft in der "Online Take Away Group" bündeln und kündigte zugleich ein paar kostspielige Wetten an.

Rocket Internet gab eine 30-Prozent-Beteiligung am Essenslieferservice Delivery Hero bekannt und ließ sich das Geschäft 496 Millionen Euro kosten. Delivery Hero ist in 24 Ländern präsent. In Deutschland firmiert das Unternehmen unter dem Namen Lieferheld.

Gleichsam übernahm Rocket den Essenslieferdienst Talabat aus Kuwait für rund 150 Millionen Euro. Ebenso erwarb der Börsenneuling Rocket 100 Prozent der südeuropäischen Anbieter für Online-Essensbestellungen La Nevera Roja in Spanien und Pizzabo in Italien. Zum Kaufpreis äußerte sich der Konzern nicht.

Und dann gab es da noch die erneute Finanzierungsrunde für Hello Fresh für 130 Millionen Euro, von der Rocket 100 Millionen Euro beisteuerte.

Diese Wetten ließen die Kassenbestände fix schrumpfen. Eine Milliarde Euro investierte Rocket seit dem Börsengang. Im Oktober hatte das Unternehmen über die Erstemission rund 1,4 Milliarden Euro eingesammelt. Unmittelbar davor beteiligten sich zudem United Internet und der philippinischen Telekombetreiber PLDT mit jeweils 333 Millionen Euro beziehungsweise 435 Millionen Euro.

Geld wäre noch Geld vorhanden gewesen, aber Rocket wollte sich "finanzielle Flexibilität" sichern, wie es in einer Mitteilung zur Kapitalerhöhung hieß.Knapp 600 Millionen Euro sammelte Rocket schließlich ein.

Aber warum gibt Rocket-Chef Samwer das Geld ausgerechnet für die Auslieferung von Essen aus?

Die Pleiten der Vergangenheit

Wenn man an Essenlieferungen denkt, dann erinnert man sich vor allem an Pappkartons. Vielleicht denkt man auch noch an verklebte Kunststoffschalen, bei denen die Soße leider schon während des Transports ihren Weg nach draußen fand; vielleicht aber auch noch an das schlechte Gewissen, weil man sich schon wieder eine fettige Pizza einverleibte. Ein lukratives Geschäft, das kam einem nicht gerade in den Sinn.

Schon einmal versuchten Unternehmen den Markt für Essenslieferungen zu erobern. Das war während des Dotcom-Booms. Unternehmen wie Webvan oder Homegrocer sammelten von Investoren knapp 400 Millionen Dollar beziehungsweise 440 Millionen Dollar ein. Beide Unternehmen gingen an die Börse, beide verbrannten viel Geld, Webvan übernahm bald Homegrocer und schließlich ging Webvan spektakulär pleite. Bis heute können sich Beobachter nicht entscheiden, ob Webvan oder der Online-Tierzubehörshop Pet.com als schlimmstes Beispiel für die Dotcom-Blase herhalten muss.

"Seit vielen Jahren versuchen Unternehmen diesen Markt zu knacken. Bisher ist es aber noch keinem so richtig gelungen", sagte Stefan Groß-Selbeck, Geschäftsführer von BCG Digital Ventures in Berlin, einer Tochterfirma der Boston Consulting Group. Dass sich die Geschichte noch einmal wiederholt, dass glaubt Groß-Selbeck nicht.

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