Montag, 11. Dezember 2017

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Fahrdienstvermittler in der Krise Softbank will Uber-Aktien nur mit kräftigem Abschlag kaufen

Softbank-Chef Masayoshi Son nutzt offenbar die Krise bei Uber aus

Immer neue Vorwürfe werden gegen Uber bekannt. Zuletzt musst der neue Chef einräumen, dass das Unternehmen einen Hackerangriff ein Jahr lang verschwiegen hat. Masayoshi Sons Softbank-Konzern will sich das offenbar zunutze machen und Uber-Aktien mit einem kräftigen Abschlag kaufen.

Der japanische Technologiekonzern Softbank will sich offenbar mit einem kräftigen Rabatt beim Fahrdienst-Vermittler Uber einkaufen. Softbank habe bisherigen Aktionären ein Angebot mit einem Abschlag von rund 30 Prozent auf die bisherige Bewertung gemacht. Das berichten der Finanzdienst Bloomberg und die "New York Times".

Der von Masayoshi Son geführte Softbank-Konzern habe bei dem Angebot lediglich einen Firmenwert von 48 Milliarden Dollar angesetzt. Der japanische Konzern könnte mindestens 14 Prozent an Uber kaufen. Einige Altaktionäre seien bereit, zu dem niedrigeren Preis zu verkaufen, hieß es weiter.

Der geplante Deal bestehe aus zwei Teilen. Softbank dürfte neben dem Angebot an Altaktionäre eine separate Investition in Uber im Volumen von einer Milliarde Dollar auf Basis der jüngsten Bewertung tätigen. Uber war zuletzt auf 68,5 Milliarden Dollar taxiert worden.

Uber-Chef Dara Khosrowshahi will den Fahrdienstleister im Herbst 2019 an die Börse bringen
Steve Ringman/The Seattle Times via AP
Uber-Chef Dara Khosrowshahi will den Fahrdienstleister im Herbst 2019 an die Börse bringen

Die Investition durch Softbank Börsen-Chart zeigen ist wichtig für Uber: Der Fahrdienst-Vermittler arbeitet nach einer rasanten globalen Expansion weiterhin mit hohen Verlusten und kann eine weitere Geldspritze gut gebrauchen. Uber strebt bis zum Herbst 2019 einen Gang an die Börse an. Außerdem hatte Softbank angekündigt, seine Milliarden in den Rivalen Lyft zu investieren, sollte keine Übereinkunft mit Uber erzielt werden.

Uber ist in diesem Jahr durch eine Serie von Skandalen erschüttert worden. Der Mitgründer und langjährige Chef Travis Kalanick musste gehen, nachdem eine Untersuchung zu Vorwürfen von Sexismus und Diskriminierung in dem Unternehmen Missstände beim Management aufdeckte. Das Unternehmen ist zudem von der Google-Schwesterfirma Waymo verklagt worden, die Uber den Einsatz bei ihr gestohlener Roboterwagen-Technologie vorwirft.

Hacker-Angriff vertuscht

Jüngst musste der neue Chef Dara Khosrowshahi zudem einräumen, dass Uber ein Jahr lang einen Hacker-Angriff verschwieg, bei dem Daten zu 57 Millionen Nutzern und Fahrern erbeutet wurden. Uber zahlte den Angreifern 100.000 Dollar für die Vernichtung der Informationen.

Softbank hatte vor kurzem mitgeteilt, dass eine Beteiligung erwogen werde, aber eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen worden sei. Der Aktienpreis und die Menge der Anteilsscheine, die Softbank erwerben könne, müssten "zufriedenstellend" sein.

Der japanische Konzern hatte als Führer eines Konsortiums bereits im August Interesse an einer Investition am teuersten Start-up der Welt angemeldet. Bei dem Fahrdienstvermittler ist mit dem Rauswurf Kalanicks bereits der Weg für einen Einstieg freigeräumt worden.

Softbank hat sich in jüngster Zeit einen Namen als Geldgeber für Technologieunternehmen gemacht und ist unter anderem am Uber-Konkurrenten Didi und der indischen Taxi-App Ola beteiligt.

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brt/dpa/Reuters

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