Montag, 27. Juni 2016

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Streit um Webadresse Kinderschützer laufen Sturm gegen Ferrero

Kinder-Überraschung: Der Süßwarenkonzern hat sich die Endung .kinder im Internet gesichert.

Wer im Internet künftig auf eine Seite mit der Endung .kinder stößt, findet dort weder Spielzeug, noch Beratungsangebote oder Fortpflanzungskliniken. Der Schokoladehersteller Ferrero hat sich die so genannte Top Level Domain gesichert. Deutsche Kinderschützer toben.

Hamburg - Es ist eine Entscheidung, die in Deutschland so manchen zur Weißglut treibt - für den Schokoladenhersteller Ferrero ist es ein einfaches aber offenbar lohnendes Geschäft. Der Hersteller von Nutella, Kinderschokolade und Kinder-Bueno hat sich für mehrere hunderttausend Euro die Internet-Endung .kinder gesichert.

War die Zahl der Endungen im Internet, so genannte Top Level Domains, lange sehr beschränkt - wie beispielsweise .gov für Regierungsinstitutionen, .com für Firmen oder spezifische Länderkennungen wie .de - hat die Internetverwaltung Icann mittlerweile die Schleusen weit geöffnet.

Von Januar 2012 an konnten sich Interessenten für eine ganze Flut neuer Endungen bewerben - von geografischen Bezeichnungen wie .berlin oder .koeln über so genannten generischen "Top Level Domains" wie .book oder .app bis hin zu Markennamen.

Die Bewerbungsfrist für die Wunschendungen lief von Januar bis Mai 2012. Fast 2000 Anträge trudelten in dieser Zeit bei Icann ein. Teils wollten gleich eine ganze Reihe von Bewerbern den Zuschlag für eine bestimmte Endung bekommen. Für die Endung .app gab es beispielsweise gleich 13 Bewerber, .book wollten neun haben - darunter auch Amazon. Der Onlinehändler allein bewarb sich gleich für mehr als 70 Endungen, Google offenbar für 101. Auch Apple, BMW und Zara sicherten sich die gleichnamigen Endungen.

Kinderschutzbund gibt sich nicht geschlagen

Und Ferrero wollte eben .rocher, .ferrero und auch .kinder haben, weil der Süßwarenkonzern unter dieser Markenbezeichnung weltweit Produkte vertreibt. In Deutschland bekam dies jedoch offensichtlich kaum jemand mit. Proteste, wie bei Amazons Anspruch auf die .book-Endung blieben jedenfalls aus - zumindest in der vorgesehenen mehrmonatigen Frist.

Auch die von Icann informierte deutsche Regierung schritt nicht ein. Anders als bei .gmbh, bei der sie spezifische Anforderungen an die Seitenbetreiber formulierte, blieb bei .kinder laut dem Techportal "heise", das als erstes über den Fall berichtete, eine Reaktion aus.

Mittlerweile ist Kinder als Marke bei der Internetverwaltung anerkannt, eine Vereinbarung für die Schaffung einer gleichnamigen TLD seit 7. November gültig und "die Sache eigentlich durch", wie Icann-Sprecherin Luna Madi gegenüber manager magazin online betont. "Die Chance, Einspruch einzulegen, wurde nicht genutzt."

Beim Deutschen Kinderschutzbund will man dies jedoch nicht hinnehmen. Der Jugendmedienschutzbeauftragte der Organisation, Ekkehard Mutschler, hat dem .kinder-Monopol von Ferrero den Kampf angesagt. "Kinder sind keine Marke", sagte er manager magazin online. "Den Begriff kann ein Süßwarenhersteller nicht einfach exklusiv für sich beanspruchen."

Wirtschafts- und Familienministerium hat Mutschler vor einigen Wochen schriftlich dazu aufgefordert, gegen die Vereinnahmung des Begriffs vorzugehen. Bislang hat er keine Reaktion erhalten.

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