Samstag, 16. Dezember 2017

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Tech-Gründer Tobias Lütke Dieser deutsche Coder ist Kanadas neuester Milliardär

Markenzeichen Tweedmütze: Shopify-Gründer Tobias Lütke

Blaue Augen und Tweed-Mütze: Tobias Lütke ist nach Kanada ausgewandert und hat mit 26 Jahren Shopify gegründet. Sein Anteil an der Handelsplattform machten den Programmierer zum Milliardär.

Der gebürtige Deutsche Tobias Lütke ist dank der Einkaufsorgie am Black Friday erneut zum Milliardär geworden. Der 37-Jährige mit einer Vorliebe für Tweed-Mützen ist Mitgründer der Handelsplattform Shopify, die es kleinen und mittelständischen Händlern ermöglicht, Online-Shops aufzusetzen.

Laut dem Bloomberg Milliardärs-Index belief sich Lütkes Vermögen dank der Bewertung von Shopify am vergangenen Freitag auf 1,1 Milliarden Dollar. Er halte rund 9,7 Millionen Aktien und Optionen an dem Unternehmen, berichtet Bloomberg. Das entspreche etwa elf Prozent an Shopify.

Der aus Koblenz stammende Lütke hat schon im Alter von elf, zwölf Jahren angefangen, Computerspiele zu programmieren. Seine Eltern, eine Sonderschullehrerin und ein Internist, hatten ihm bereits einen Commodore 64-ähnlichen Computer gegeben, als er sechs Jahre alt war, heißt es in einem Porträt der "Globe and Mail". Statt die Schule zu beenden, wechselte Lütke nach der zehnten Klasse in ein Ausbildungsprogramm von Siemens, wo er mit der Programmiersprache Java arbeitete.

Nach Kanada der Liebe wegen

2002 wanderte er nach Kanada aus. Von dort stammte seine spätere Frau Fiona McKean, die er auf einer früheren Reise kennengelernt hatte. Ausgebrannt von seinen Programmierjobs gründete Lütke in Ottawa mit Bekannten einen Online-Handel für Snowboards, den sie Snowdevil nannten. Aus der Frustration heraus, keine passende Software für Internet-Shops zu finden, baute er auf die damals neue Applikation "Ruby on Rails". Das erregte einige Aufmerksamkeit in Programmierkreisen.

Lütke und sein Partner Scott Lake erkannten bald, dass sie mit ihrer E-Commerce-Software mehr Geld verdienen konnten als mit dem Verkauf von Snowboards. Also überzeugten sie 2006 zehn Freunde und Familienmitglieder, insgesamt 200.000 Dollar Startkapital zu investieren und launchten Shopify.

Die Plattform stellt Online-Händlern neben der Einrichtung eigener Shops die nötigen Werkzeuge bereit, mit denen sie Bezahloptionen, Vorkasse oder die Integration in Amazons Marketplace einrichten können.

Aktie schießt nach Börsengang in die Höhe

Das Unternehmen war rasch erfolgreich und ging im Mai 2015 an die Börse. Seitdem legte die Aktie laut Bloomberg 588 Prozent zu. In diesem Jahr war das Shopify-Papier demnach das am zweitbesten performende in Kanadas S&P/TSX Composite Index.

Nach einem Absturz im Oktober hat sich der Kurs von Shopify inzwischen wieder erholt. Damals hatte der Shortseller Andrew Left das Geschäftsmodell der Plattform in Frage gestellt, berichtet Bloomberg. Viele Nutzer seien nicht sehr erfolgreich, lauteten die Vorwürfe, das Wachstum würde einbrechen. Der Kurs von Shopify sei daraufhin an einem Tag um zwölf Prozent gefallen. Weitere 14 Prozent verlor die Aktie, als das Unternehmen kurze Zeit später berichtete, dass das Wachstum der verkauften Güter sich verlangsame.

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Lütke verteidigte Shopify gegen die Vorwürfe und nannte Left einen "Troll", berichtet Bloomberg weiter. Die Vorwürfe gegen das Unternehmen seien absurd. Das Vorweihnachtsgeschäft, das mit den Black-Friday-Aktionen vergangene Woche losging und eine Kaufempfehlung von Analysten brachten die Shopify-Aktie laut Bloomberg wieder in die Spur. Sie war am Montag in New York um 4,4 Prozent auf 116,75 Dollar gestiegen. Damit erreichte das Unternehmen einen Marktwert von 11,6 Milliarden Dollar - und machte den Programmierer mit Tweedmütze erneut zum Milliardär.

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