Dienstag, 24. Oktober 2017

Vorwerk-Küchengerät kommt auf US-Markt Ist Amerika reif für den Thermomix?

Thermomix 5

Der Kult hat schon erste Anhänger gewonnen. Mit "Kult" beschreibt Kai Schäffner, Chef der Wuppertaler Hausgerätefirma Vorwerk, den Erfolg seines Multifunktions-Küchengeräts Thermomix. Rund 1,3 Milliarden Euro hat das Familienunternehmen im vergangenen Jahr mit seinem wichtigsten Produkt umgesetzt - vor allem in Europa.

Jetzt geht Schäffner den US-Markt an, erstmal bescheiden mit einem Umsatzziel von neun Millionen Dollar für dieses Jahr. Daraus soll aber schnell mehr werden, mit begeisterten Kritiken wie der des Starkochs Kris Morningstar aus Los Angeles im Rücken - und einem Bericht des Magazins "Quartz".

Das stellt die Maschine als ein Wunderding aus Deutschland vor, als das spät eingelöste Versprechen der 50er-Jahre-Science Fiction von einer "magisch" alles selbst erledigenden Küche. Vielfältig, digital, einfach zu bedienen - und für nur 1450 Dollar pro Stück.

Die große Frage sei nur, ob diese Innovation jetzt noch in den USA gut ankommt. Denn dort habe sich in Jahrzehnten Fastfood als Antwort auf das Zeitproblem beim Kochen durchgesetzt. Laut OECD verbringen die Amerikaner im Durchschnitt nur 30 Minuten pro Tag mit der Nahrungszubereitung, der mit Abstand niedrigste Wert im internationalen Vergleich.

"Viele Amerikaner wissen nicht mehr, wie man kocht"

Die bloße Sehnsucht nach gutem Essen allein reicht nicht für den Markterfolg. Neben direkten Wettbewerbern wie dem Autocook von Bosch oder dem Krups Prep & Cook des französischen Kleingeräte-Riesen SEB tritt der Thermomix auch gegen allerhand Lieferdienst-Startups an (an Hellofresh hat sich Vorwerk beteiligt, um den Trend zu vorbereiteten, einfach selbst zu kochenden Rezepten auch für den Thermomix zu nutzen).

"Viele Amerikaner wissen nicht mehr, wie man kocht", räumt Vorwerk-Chef Schäffner ein - und deutet das als "riesigen Vorteil", weil der Thermomix die Hürde zum Selberkochen senken werde.

"Quartz" lässt dazu kritische Stimmen zu Wort kommen. So sagt der Ernährungsbuchautor Michael Ruhlman, "ich bin skeptisch, ob Amerikaner diese Geldsumme dafür ausgeben werden, die Energie und das Durchhaltevermögen haben, um sich damit zurechtzufinden und dabei zu bleiben". Kochen an sich sei doch gar nicht schwer. "Warum brauchen wir diese komplizierte Maschine, um etwas grundlegend Einfaches zu tun?"

Anklang könnte die deutsche Maschine aber durch ihr uramerikanisches Marketing finden. Mit mehr als 45.000 Vertreter(innen) weltweit ist Vorwerk die viertgrößte Macht im Direktvertrieb, doppelt so groß wie der Klassiker Tupperware. Die Staubsauger von Vorwerk werden so schon seit 1930 in den Markt gebracht, ohne zusätzliche Reklame. Abgeschaut haben sich die Wuppertaler die Methode bei Hoover, einem Wettbewerber aus den USA.

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