Donnerstag, 29. September 2016

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Blog-Eintrag sorgt für Aufsehen Elon Musk fürchtet künstliche Intelligenz

Innovationstreiber und Mahner: Tesla-Chef Elon Musk investiert in Unternehmen, die an künstlicher Intelligenz forschen und er beäugt sie kritisch

Elon Musk hat sich erneut kritisch über die Entwicklung künstlicher Intelligenz geäußert. In spätestens zehn Jahren könne etwas ernsthaft Gefährliches passieren, warnte er. Seine Anmerkungen postete der Tesla-Chef in einem renommierten Blog, löschte sie aber wieder.

Hamburg - "Der Fortschritt bei künstlicher Intelligenz (ich meine nicht einfache künstliche Intelligenz) ist unglaublich schnell", hieß es. "Solange man nicht direkt Gruppen wie Deepmind ausgesetzt ist, kann man sich kaum vorstellen, wie schnell es voran geht. Es ist annährend exponentiell", hatte Musk auf edge.org geschrieben, bis er seinen Beitrag wieder löschen ließ.

Edge ist eine Art exklusiver Debattierklub für Intellektuelle. Nur wer eingeladen wird, darf Beiträge veröffentlichen. Der Gründer der Edge Foundation, John Brockman, hatte am Wochenende via Kurznachrichtendienst Twitter sogar auf Musks Beitrag hingewiesen. Auch dieser Tweet wurde mittlerweile gelöscht. Über die Gründe ist bislang nichts bekannt.

Es spricht viel dafür, dass Musk mit Deepmind, ein von Google Börsen-Chart zeigen gekauftes Unternehmen meinte. Musk hatte das Londoner Startup selbst finanziell unterstützt. Anfang des Jahres hatte der Suchmaschinenbetreiber die Firma übernommen. Über Deepmind dringen bislang nur wenige Informationen nach außen. Es ist allerdings bekannt, dass das Unternehmen daran forscht, Maschinen beziehungsweise Computer mit den Fähigkeiten menschlicher Intelligenz auszustatten. Vereinfacht ausgedrückt sollen Computer menschlich werden. Vor der Übernahme von Deepmind hatte Google mehrere Roboter-Firmen übernommen, darunter Boston Dynamics, ein Unternehmen, das etwa für das US-Verteidigungsministerium an Robotern forscht.

Ohne weiter auf Deepmind einzugehen, schrieb Musk weiter: "Es besteht das Risiko, dass binnen fünf Jahren etwas ernsthaft Gefährliches passiert." Maximal dauere es noch zehn Jahre. Er löse keinen falschen Alarm aus, denn ihm sei bewusst worüber er rede.

Aus dem Silicon Valley kommen selten Äußerungen, die technologische Entwicklungen kritisch hinterfragen. Stattdessen werden überwiegend ihre Vorteile angepriesen. Häufig wird Kritikern unterstellt, man habe nur Angst oder sei skeptisch, weil das technologische Verständnis fehle. Deshalb dürfte Musk auch darauf hingewiesen haben, dass er durchaus verstehe, worum es geht. Warum Musk seinen Beitrag bei Edge.org wieder löschen ließ, das ist bislang nicht bekannt.

Musk ist nicht der einzige Skeptiker

Es wäre ohnehin nicht das erste Mal gewesen, dass sich Musk kritisch über künstliche Intelligenz äußerte. Er hatte seine Sorgen bereits im August via Twitter und auf Konferenzen mitgeteilt. Bei einer Veranstaltung der US-Zeitschrift "Vanity Fair" hatte er vor Killer-Robotern gewarnt, die Menschen auslöschen könnten. Künstliche Intelligenz könnte eine der schlimmsten Bedrohungen für die Menschheit werden, behauptete Musk. Nach seinen Äußerungen hatte sich der Chef von Tesla Börsen-Chart zeigen und Gründer der Raketen-Firma SpaceX allen voran aus dem Silicon Valley anhören müssen, er übertreibe.

Dabei ist Musk nicht der erste und einzige Prominente, der auf die Risiken künstlicher Intelligenz verweist. Auch Wissenschaftler Stephen Hawking hatte im Mai in der britischen Zeitschrift "The Independent" darauf hingewiesen, dass man bei allen Vorteilen und Errungenschaften, auch darüber nachdenken müsse, wie man die Risiken vermeiden könne.

"Ich bin nicht der Einzige der sagt, wir sollten uns Sorgen machen", hatte Musk in seinem gelöschten Beitrag geschrieben. Die führenden Unternehmen in diesem Bereich würden große Vorsichtsmaßnahmen treffen. "Ihnen ist die Gefahr bewusst, aber sie glauben, sie könnten die digitale Superintelligenz formen und kontrollieren und verhindern, dass Schlechtes ins Internet strömt", schrieb Musk. "Das wird sich zeigen", hieß es weiter.

Im März dieses Jahres investierte Musk gemeinsam mit Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Schauspieler Ashton Kutcher in ein Startup namens Vicarious FPC. Das Unternehmen versucht den Neocortex nachzubilden, einen Teil des Gehirns, der fürs Sehen, die Motorik, Sprache und beispielsweise Rechnen verantwortlich ist. Musk sagte damals, er wolle im Auge behalten, was die Forscher treiben.

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