Dienstag, 27. September 2016

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50 Prozent der Jobs bedroht Telefónica plant nach E-Plus-Übernahme drastischen Stellenabbau

Ex-E-Plus Chef Thorsten Dirks leitet nun den größten Mobilfunker

Der Telekommunikationskonzern Telefónica plant nach der Übernahme von E-Plus einen einschneidenden Arbeitsplatzabbau. Er fällt weit größer aus als erwartet.

Hamburg - Am Donnerstag kam der Aufsichtsrat zusammen, um über die Pläne zu beraten, am heutigen Freitag sind Betriebsrat und Mitarbeiter unterrichtet worden. Der Konzern, der dabei ist, E-Plus mit seiner deutschen Mobilfunk-Gesellschaft O2 zusammenzulegen, will dabei annähernd 50 Prozent aller Stellen bis 2018 kürzen.

Das verlautet aus dem Umfeld des Unternehmens. Insbesondere im Kundenservice und in den Shops sollen Jobs weg fallen und möglichst an Subunternehmen und Partner wie Drillisch ausgelagert werden. Auch die IT soll schlanker aufgestellt werden, indem sie zentralisiert wird und von Spanien aus betrieben wird. Zudem sollen Mitarbeitern Abfindungen angeboten werden. E-Plus hatte vor der Übernahme rund 4.500 Mitarbeiter, Telefónica in Deutschland 6000. Insgesamt handelt es sich dabei um 9100 Vollzeitstellen.

Das Unternehmen teilte inzwischen mit, 1600 der Vollzeitstellen streichen zu wollen und Abfindungsprogramme anzubieten. In den 1600 Stellen sind jene Arbeitsplätze, die nach außen verlagert werden, nicht enthalten. Durch Auslagerungen in Subunternehmer und Partner wie Drillisch dürften am Ende des Jahres 2018 nur noch die Hälfte der derzeitigen Mitarbeiter auf der Gehaltsliste von Telefónica stehen.

Jobabbau größer als erwartet

Der Arbeitsplatzabbau fällt damit weit größer aus als erwartet. Im Vorfeld hatte es geheißen, Telefónica werde rund 20 bis 30 Prozent des Personals kürzen. Telefónica hat den Mobilfunk-Rivalen E-Plus für 8,5 Milliarden Euro 2013 erworben. Das neue Unternehmen steigt mit rund 47 Millionen Kunden zum größten Mobilfunkanbieter in Deutschland auf und zieht an der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen vorbei. Ende August hatten die Wettbewerbsbehörden in Brüssel der Fusion unter Auflagen endgültig zugestimmt, seither wird an der neuen Organisationsstruktur gearbeitet. Telefónica hatte bereits mitgeteilt, dass E-Plus-Chef Thorsten Dirks den neuen Verbund leiten wird.

Bei der Fusion werden entsprechend nicht automatisch vornehmlich Stellen bei der erworbenen E-Plus wegfallen. Im Vorfeld wurden bereits einzelne Abteilungen der beiden Unternehmen miteinander verglichen, um zu sehen, welche bessere Leistungen erbringen - und sich somit in der neuen Struktur durchsetzen dürften. Insgesamt stand E-Plus zuletzt geschäftlich wesentlich besser da als O2. Der Mobilfunker aus München hatte im Juli enttäuschende Quartalszahlen mit herben Umsatz- und Gewinnrückgängen vermeldet.

Für das neue Unternehmen steht auch die Struktur der Top-Führungskräfte seit Anfang Oktober fest. Neben Dirks ziehen die O2-Manager Markus Haas als Chief Operating Officer und Rachel Empey als Finanzchefin in den Vorstand ein. Laut Informationen von manager magazin online sind zudem auf der ersten Ebene unterhalb des Vorstands von insgesamt elf Positionen vier mit ehemaligen E-Plus-Top-Managern besetzt, darunter der IT-Verantwortliche Andreas Pfisterer und der Vertriebschef Alfons Lösing. Anfang November kommt der Aufsichtsrat erneut zusammen, um endgültig über die Beschlüsse zum Arbeitsplatzabbau zu entscheiden.

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