Donnerstag, 19. Oktober 2017

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Kampf gegen Netflix und HBO Steven Spielberg zieht für Apple in die Streaming-Schlacht

Star-Regisseur- und Produzent Steven Spielberg wird künftig die Serie "Amazing Stories" für Apples Streaming-Dienst produzieren.

Der Kampf um die Vorreiterrolle im weltweiten Streaming-Geschäft ist geht in eine neue Runde: Apple verkündete im September eine Investition in Milliarden-Höhe. Auch den ersten Star aus der Branche hat der teuerste Konzern der Welt nun an Land gezogen.

Der Tech-Gigant aus Cupertino plant schon länger im Streaming-Geschäft mitzuspielen: Im September hieß es, dass Apple Börsen-Chart zeigen eine Milliarden-Offensive in Hollywood plane, um mit exklusiven Videoinhalten ein neues Marktsegment zu erschließen.

Nun gab das WSJ bekannt, dass der namhafte Produzent und Regisseur Steven Spielberg bei der ersten großen Original-Produktion mitwirken soll. Der Deal mit Spielbergs Produktionsfirma Amblin Television sowie der TV-Produktionssparte von NBC Universial umfasst die Produktion mehrerer neuer Folgen von "Amazing Stories", einer Science-Fiction- und Horror-Serie, die bereits in den 80ern auf NBC lief.

Insgesamt zehn Episoden sollen gedreht werden. Für die Show, die ursprünglich aus Spielbergs Kreation stammt, wird er laut Wall Street Journal die Rolle des Produzenten übernehmen. Als Drehbuchautor konnte Bryan Fuller gewonnen werden, der für Serien wie "Hannibal" oder "Star Trek: Discovery" verantwortlich ist.

5 Millionen Dollar pro Folge

Zudem engagierte Apple im Juni mit Zack Van Amburg und Jamie Erlicht zwei Top-Männer von Sony, um die Kugel bei der Original-Produktions-Offensive ins Rollen zu bringen. Beide produzierten bereits die Serie "Breaking Bad" und bekamen nun für ihre Tätigkeit 1 Milliarde Dollar in die Hand gedrückt. Neben der Produktion von Original-Serien bekamen sie die Aufgabe, einen eigenen Streaming-Service zu entwickeln, der mit den Rivalen mithalten soll.

Das Budget für "Amazing Stories" betrage laut WSJ über 5 Millionen Dollar pro Folge, also deutlich mehr als die meisten TV-Serien, aber immer noch weniger, als das, was Netflix und HBO investieren. Für eine Folge "Game of Thrones" nimmt HBO zum Beispiel satte 15 Millionen Dollar in die Hand.

Digital-Angebote sollen bis 2020 rund 50 Milliarden Umsatz machen

Apple hofft mit dieser Investition über Abonnements seine Kundschaft von iPhone, iPad & Co. auf über eine Milliarde zu steigern. Bis 2020 will der Konzern so den Umsatz der digitalen Angebote (sprich: iTunes, Apple Music, AppStore & Co.) auf bis zu 50 Milliarden Dollar heben, insbesondere nachdem Apples ersten beiden Shows - "Planet oft he Apps" und "Carpool Karaoke" - eher gemischte und lauwarme Kritiken bekamen. Bislang beläuft sich der Umsatz in diesem Bereich auf lediglich 7 Milliarden Dollar.

Mit "Amazing Stories" und Steven Spielberg an der Hand soll das nun anders laufen. Zumindest in den 80ern hatte die Serie großen Erfolg: Sie gewann fünf Emmys, mit großen Namen vor und hinter der Kamera, wie etwa Kevin Costner und Tim Robbins oder Martin Scorsese und Clint Eastwood.

Apple wagt damit einen großen und mutigen Schritt in den Wettbewerb der Orignal-Produktionen. Sowohl Netflix, Amazon als auch HBO haben allesamt ein höheres Budget zur Verfügung.

Der Deal kam an die Öffentlichkeit als Apples Planung einer Elvis-Presley-Show mit der Produktionsfirma Weinstein & Co. bekannt wurde. Die Show wurde in Auftrag gegeben, als Zack Van Amburg und Jamie Erlicht noch nicht Teil des Tech-Giganten waren.

Als aber Harvey Weinsteinwegen zahlreicher Vorwürfe zu sexuellem Missbrauch entlassen wurde, sah Apple sich gezwungen, die Zusammenarbeit zu beenden, die Elvis-Presley-Produktion über den Haufen zu werfen und mit Van Amburg und Erlicht eine neue Strategie aufzufahren.

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