Dienstag, 31. Mai 2016

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BMW-Großaktionär über die Hybris der US-Techkonzerne Stefan Quandt: "Der Monopolkapitalismus des Silicon Valley ist nicht zukunftsfähig"

Stefan Quandt

Der folgende Beitrag ist die gekürzte und leicht bearbeitete Fassung der Rede Stefan Quandts anlässlich der Verleihung des Herbert-Quandt-Medienpreises 2015 Ende Juni. Quandt ist mit einem Anteil von 17,4 Prozent größter Einzelaktionär des Autokonzerns BMW und hält zusammen mit seiner Schwester Susanne Klatten und seiner Mutter Johanna 46,7 Prozent an dem Münchener Dax-Konzern. Zudem hält er weitere wesentliche Konzernbeteiligungen, unter anderem die Mehrheit am Solarmodulhersteller Solarwatt.

"Meine sehr geehrten Damen und Herren,

erlauben Sie mir, dass ich Sie nun mit auf eine kleine Zeitreise nehme: Wir schreiben das Jahr 1985. Das Jahr, in dem in Erinnerung an Herbert Quandt der Medien-Preis ins Leben gerufen wird. Zum ersten Mal wird die Einsendung von journalistischen Beiträgen erbeten, "die sich in anspruchsvoller und allgemeinverständlicher Weise mit dem Wirken und der Bedeutung von Unternehmern und Unternehmen in der Sozialen Marktwirtschaft auseinandersetzen".

Zeitgleich zur Gründung des Medien-Preises werden in den USA und Europa die technologischen Grundlagen für das Internet und die digitale Kommunikation von heute geschaffen:

- 1985 wird die erste Domain der Welt registriert,

- Im Jahr zuvor wird an der Universität Karlsruhe die erste E-Mail aus den USA empfangen,

- Die Erfindung des World Wide Web durch den Kernphysiker Tim Berners-Lee am Forschungszentrum CERN in Genf im Jahr 1989 und die Entwicklung der ersten Website bildet schließlich die Basis für die allgemeine Nutzung des Internet: Das Internet als weltöffentlicher Raum ist geboren, die erste wirklich weltumspannende Kommunikation nun möglich.

Interessant ist, dass die Funktionen des World Wide Web und seine Universalsprache HTML im Herzen Europas erfunden wurden. Diese technologische Erfindung aus Europa hat den Wandel gezeugt, der seither alle Lebensbereiche erfasst hat und die globale Wirtschaft immer stärker verändert. Wie radikal dieser Wandel ist, davon können allen voran Journalisten am Beispiel ihrer eigenen Branche berichten!

Dabei verändert dieser Wandel nicht nur einzelne Branchen, sondern stellt zugleich die Ordnung der Wirtschaft und mit ihr auch die Rolle des Unternehmers vor große Herausforderungen.

Epizentrum und zurzeit stärkster Treiber dieses Wandels ist das Silicon Valley mit seiner einzigartigen Gründerkultur. Apple, Google & Co. sind binnen weniger Jahre in den Kreis der weltweit bedeutendsten und kapitalstärksten Unternehmen aufgestiegen, wie man leicht anhand einiger Beispiele und Zahlen sehen kann:

- Seit seiner Gründung im Jahr 2004 hat es Facebook auf mittlerweile 1,4 Milliarden Nutzer gebracht. Statistisch gesehen sind das knapp 20% der Weltbevölkerung.

- Apple hat allein mit dem iPhone im vergangenen Jahr mehr Umsatz erwirtschaftet als jeder der 30 DAX-Konzerne mit seinem gesamten Angebot an Produkten und Dienstleistungen!

- Die 30 wertvollsten Silicon Valley-Firmen sind mit 2,6 Billionen Dollar an der Börse 2 ½ Mal soviel wert wie alle Dax-30-Unternehmen zusammen.

- Als letztes Beispiel sei Google genannt: Bei den Suchmaschinen verfügt das Unternehmen in Europa über einen Marktanteil von über 90 Prozent. Und Googles Anteil am weltweiten digitalen Werbemarkt belief sich im vergangenen Jahr auf über 30 Prozent, im mobilen Segment sogar über 40 Prozent (Zahlen Emarketer).

All diese Zahlen führen vor Augen, über welche enorme Wirtschafts- und damit auch finanzielle Schlagkraft die Tech-Größen aus dem Silicon Valley verfügen. Sie werden diese zu nutzen wissen, um den digitalen Wandel weiter voranzutreiben und auf immer mehr Branchen und Lebensbereiche auszuweiten.

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