Dienstag, 24. Oktober 2017

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Künstliche Intelligenz Dieser Mann arbeitet an Elon Musks Albtraum

Echobox-Gründer Antoine Amann

Elon Musk hat Angst. Der Auto- und Raumfahrtunternehmer, für viele eigentlich eine Ikone des Fortschritts, fürchtet die zunehmende Macht künstlicher Intelligenzen als "fundamentales Risiko für die menschliche Zivilisation". "Wahrscheinlich eher 2030 bis 2040", schrieb der Tesla-Chef vor einigen Wochen, als der "New Scientist" bei Twitter verkündete, künstliche Intelligenz werde den Menschen bis zum Jahr 2060 "in allem schlagen".

Was Musk nicht wusste: Bereits der Tweet, auf den er sich bezog, war komplett autonom von einer AI ("artificial intelligence") geschrieben worden.

Echobox heißt das Londoner Start-up, dessen Software Texte verstehen und schreiben kann. Schon heute befüllt es die Social-Media-Kanäle vieler großer Medienhäuser, etwa beim "Guardian", bei "Le Monde" und dem bereits zitierten "New Scientist".

"Unsere AI muss Inhalte genauso verstehen, wie es ein Redakteur tun würde", sagte Echobox-Gründer Antoine Amann im Gespräch mit manager-magazin.de. Die Software könne alle Aufgaben übernehmen, die auch von Menschen in Redaktionen erwartet würden: die Auswahl von Bildern und Überschriften, das Formulieren von Tweets und Facebook-Posts, aber auch das Timing von Artikeln.

Software, die funktioniert wie ein Gehirn

Echobox nutze dazu eine ganze Reihe von Prozessen des Maschinenlernens, so Amann. Einer davon seien neurale Netzwerke, Programme, die die Art und Weise imitieren, mit der das menschliche Gehirn Informationen verarbeitet.

Das Auge, so beschreibt es Amann, liefere etwa geometrische Konzepte, erst das Gehirn erkenne diese und verstehe sie als Dinge. Sein Programm funktioniere ähnlich. Damit aus Daten erkannte Dinge würden, müsse es mit einer Menge historischer Daten trainiert werden. Welche Überschriften funktionieren, welche Bilder angeklickt werden, diese Informationen müssen von außen kommen.

Echobox' Datenhunger ist einer der Gründe, die Amann und sein Team zunächst in die Medienbranche geführt haben. Andere Unternehmen hätten weit weniger Informationen darüber, welche Inhalte bei ihren Kunden und Lesern ankommen. Der andere Grund ist ein persönlicher: Amann selbst hatte nach dem Studium an der Elite-Universität Cambridge eine Zeit lang bei der "Financial Times" gearbeitet und dort Möglichkeiten der Optimierung gesehen: "Die News-Industrie liegt mir persönlich sehr am Herzen. Wir hoffen aber, in Zukunft auch in andere Bereiche zu expandieren."

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