Montag, 29. August 2016

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Nach Hackerangriff auf Filmstudio Versicherung soll für Sonys Schaden zahlen

Kein Spaß: Viele Kinos nahmen die Komödie "The Interview" nach Anschlagsdrohungen aus dem Programm

Im November brachen Hacker in die Computersysteme von Sony Pictures ein. Sie blockierten die Arbeit des Unternehmens und stahlen vertrauliche Informationen. Experten bezifferten den Schaden auf bis zu 100 Millionen Dollar. Doch für den wird Sony wohl nicht aufkommen müssen.

Los Angeles - Das Sony -Filmstudio gerät durch den verheerenden Hackerangriff vor sieben Wochen finanziell nicht in Bedrängnis. Studiochef Michael Lynton sagte am Donnerstag in einem Reuters-Interview, die Kosten würden komplett von der Versicherung gedeckt. Der Vorfall mache daher keine weitere Einschnitte nach dem Sparkurs der vergangenen Jahre erforderlich.

Lynton nannte keine Schadenschätzung. Manche Experten waren von bis zu 100 Millionen Dollar ausgegangen. Darin enthalten sind Kosten für Reparatur oder Ersatz von Computern, zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen sowie Produktionsausfälle.

Sony Pictures Entertainment wurde am 21. November Ziel der größten Cyberattacke, die sich bislang gegen ein privates Unternehmen in den USA richtete. Massive Datenmengen wurden vernichtet, vertrauliche Firmeninformationen an die Öffentlichkeit gebracht. "Es war, als ob jemand in Ihr Haus gekommen wäre und es dann ausgeraubt und völlig niedergebrannt hätte", führte Lynton aus. "Einer von den Ermittlern sagte zu mir: Wer immer diese Software entwickelt hat, er war sehr, sehr wütend."

Die US-Regierung macht Nordkorea für den Angriff auf das US-Filmstudio verantwortlich. Hintergrund ist eine Komödie "The Interview" über ein fiktives US-Mordkomplott gegen den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un. Sony zog den Film nach Drohungen der Hacker zunächst zurück, veröffentlichte ihn nach Kritik an der Entscheidung aber dann doch. Nordkorea hat den Film scharf verurteilt, zugleich aber die Vorwürfe zurückgewiesen, hinter dem Hackerangriff zu stecken.

Sony hat mit dem Film bislang 35 Millionen Dollar eingespielt. Einen Großteil der Summe erlöste das Unternehmen über das Internet. Viele Kinos hatten "The Interview" nach Anschlagsdrohungen kurzfristig wieder aus dem Programm genommen. Sony hatte darauf gemeinsam mit IT-Konzernen wie Google, Apple und Microsoft eine Allianz gebildet und den Film via Streaming-Angebote vertrieben.

Die Kosten für den Film, einschließlich Produktion und Marketing, beziffern Experten mit rund 88 Millionen Dollar. Sony Pictures geht davon aus, dass es mit dem Film langfristig einen Gewinn erzielen wird.

run/Reuters

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