Samstag, 28. Mai 2016

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IT-Cluster Europas Silicon Valleys im Vergleich

Softwarecluster-Studie: Europas Silicon Valleys im Vergleich
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Das Silicon Valley gilt als Fixstern der Software-Branche. Doch auch in Europa gibt es zahlreiche IT-Cluster. Das Fraunhofer Institut hat sie jetzt systematisch erfasst. Das Ergebnis: Die Nachteile gegenüber dem US-Vorbild sind gewaltig.

Hamburg - Manchmal sagt ein Bild mehr als tausend Worte. So auch jenes, das die Autoren der ersten Benchmark-Studie über Europas Software-Cluster Anfang dieser Woche nutzten, um das Verhältnis von Europas digitalen Kraftzentren zum Silicon Valley zu skizzieren.

Die kalifornische Heimat von Apple Börsen-Chart zeigen, Google Börsen-Chart zeigen, Oracle Börsen-Chart zeigen und Co. ist darin als Sonne dargestellt. Umkreist wird der alles überstrahlende Himmelskörper von Planeten unterschiedlicher Größe, neben denen Namen wie London, Hovedstaden, Oberbayern oder BBO stehen.

Diese Namen lassen sich jenen europäischen Softwareclustern zuordnen, die von den Studienautoren des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung nun erstmals anhand von 19 unterschiedlichen Kennzahlen zu Umsatz, Beschäftigung, Forschungsstärke oder Spezialisierungsgrad in ein Verhältnis gesetzt worden sind. Eine Erkenntnisse: Fast jedem der untersuchten Cluster lässt sich entweder nur das Attribut groß oder nur das Attribut wachstumsstark zuordnen, während es das Silicon Valley seit Jahren schafft, beide Attribute zu kombinieren.

Eine weitere Erkenntnis: Während einige der europäischen Cluster in bestimmten Aspekten - zum Beispiel im B2B-Geschäft - international konkurrenzfähig sind, kommt keines von ihnen in der Gesamtsicht aller untersuchten Indikatoren auch nur in die Nähe des Silicon Valleys.

Zu wenig Wagniskapital, zu wenig staatliche Nachfrage

Wie klein diese europäischen IT-Ballungsgebiete im Vergleich zu ihrem US-amerikanischen Pendant sind, darüber machen sich die Studienautoren keine Illusionen. "Der Umsatz von Software-Unternehmen mit Hauptquartier in der Europäischen Union beträgt 41 Milliarden Euro", sagte Bernard-Louis Roques, CEO des als Datenlieferant an der Studie beteiligten französischen Venture-Capital-Gebers Truffle Capital bei der Präsentation der Ergebnisse. Manch ein IT-Konzern an der US-amerikanischen Westküste bringe es schon allein auf mehr Umsatz.

Dass der Abstand zum Silicon Valley so groß ist, dafür gibt es nach Ansicht des Franzosen mehrere Gründe. So seien die Amerikaner erheblich freigiebiger, wenn es um Wagniskapital gehe. "Es fehlt Geld in Europa", sagte Roques. Im Schnitt würden in den USA pro Firma und Jahr 92 Dollar eingesammelt, in Europa seien es nur 7 Dollar. Dass Wagniskapital dabei nicht allein eine US-Domäne sein müsse, belegt Roques am Beispiel Israel, wo im Schnitt 164 Dollar pro Firma an Wagniskapital eingesammelt würden. "Ein weiterer großer Nachteil ist, dass wir in Europa öffentliche Gelder nicht so sehr in europäische IT-Produkte stecken können wie dies in den USA der Fall ist", sagte der Truffle-CEO.

Ein Argument, das auch der Chef der Software AG Karl-Heinz Streibich als Vertreter des deutschen Software-Clusters teilte. "Die Nachfragemacht der europäischen Verwaltungen muss auf bestimmte Branchen fokussiert werden, die entwickelt werden sollen", regte er an und verwies auf die mehr als 18 Milliarden Euro, die in Deutschlands öffentlicher Verwaltung für solche Zwecke zur Verfügung stünden. "Diese Nachfrage muss strategischer eingesetzt werden, um Europa unabhängiger von nicht-europäischen, vor allem amerikanischen Technologien, zu machen."

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