Sonntag, 19. November 2017

Vernetzte Häuser, fliegende Autos Die großen Flops des Silicon Valley - und ihre Comeback-Chancen

Thermostat von Google-Firma Nest: Drei Milliarden Dollar versenkt?

Glaubt man dem Ökonomen Robert Gordon, geht der Welt das Wachstum wegen Ideenlosigkeit aus: Die Zeit der großen Erfindungen, die uns produktiver machten, sei vorbei. Bisher schien diese These im Widerspruch zum Fortschrittsglauben des Silicon Valley zu stehen. Doch neuerdings häufen sich sogar von dort die techno-pessimistischen Nachrichten.

Selbst Google alias Alphabet Börsen-Chart zeigen, das sich einen Namen mit avantgardistischer Experimentierfreude gemacht hat, rechnet jetzt kühler, als den Roboter-Enthusiasten im Konzern lieb sein kann. Neuerdings steht die vor zwei Jahren für 3,3 Milliarden Dollar gekaufte Smart-Home-Firma Nest Labs intern unter Beschuss, weil das Unternehmen hinter den Erwartungen der Google-Strategen zurückgeblieben ist.

Brauchen wir das?

Der intelligente Kühlschrank, der den Milchstand meldet (oder gleich von selbst nachbestellt), ist zu einem Running Gag der Internet-der-Dinge-Visionen verkommen. Nest Labs hat sich gleich auf Dinge von offensichtlicherem praktischen Nutzen verlegt: Das ferngesteuerte Thermostat kann bares Geld sparen, auch die Kommunikation mit den Rauchmeldern ergibt Sinn. Ein Netzwerk aus Geräten, die im Zusammenspiel den Energieverbrauch drosseln und zugleich den Wohnkomfort erhöhen, ist ohne große Fantasie denkbar. Noch 2014 wurde Smart Home als das nächste große Ding gehandelt, und Nest als das neue Apple.

Wie läuft's?

Die aktuellen Berichte sind vernichtend, vor allem Nest-Chef Tony Fadell gilt als angezählt. Seit dem Kauf durch Google kam kein grundlegend neues Produkt auf den Markt. Neuerdings vergrätzt die Firma ihre Kunden, indem sie bei (noch gar nicht so) alten Produkten den Stecker zieht und mehrere hundert Dollar teure Geräte unbrauchbar macht. Die Geschäftszahlen sollen miserabel sein. Auch Wettbewerber tun sich schwer, Kunden für WLAN-fähige Leuchten oder Kochtöpfe zu begeistern.

Wird das noch was?

Neben Managementfehlern steht auch ein grundlegendes Nachfrageproblem im Raum. Für Nicht-Enthusiasten sind die Geräte im Vergleich zu den konventionellen Alternativen zu teuer, zumal der Nutzen begrenzt ist. Dafür sorgt auch der Wettbewerb von Nest und ähnlichen Angeboten von Apple, Amazon und anderen, die alle ihren eigenen technischen Standard durchsetzen wollen. Eine Waschmaschine mit Funkchip auszustatten, ist nicht so schwer, wie sie sinnvoll zu vernetzen.

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