Montag, 26. Juni 2017

Versöhnung mit Großaktionär Siemens Erst Feind, jetzt Freund - Osram-Chef soll fünf Jahre länger bleiben

Weiter geht's: Osrams Vorstandschef Olaf Berlien

Noch vor einem Jahr sorgte Siemens-Chef Joe Kaeser auf der Osram-Hauptversammlung mit einem Misstrauensvotum gegen Osram-Chef Olaf Berlien für einen Eklat. Nun ist, so verbreiten es die Protagonisten, wieder alles in bester Ordnung. Wie manager-magazin.de aus dem Umfeld des Aufsichtsrats erfuhr, erhält Berlien zum Aktionärstreffen am Dienstag (14. Februar) sogar eine Verlängerung seines Vorstandsvertrags um fünf Jahre. Kaeser habe sein Plazet dazu gegeben, hieß es in Unternehmenskreisen. Ein Osram-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

Der monatelang schwelende Streit hatte sich an einem Strategieschwenk entzündet, den Berlien Ende 2015 angekündigt hatte. Osram investiert eine Milliarde Euro in eine neue LED-Chipfabrik in Malaysia und will damit das künftige Wachstum absichern. Berlien hatte dafür zwar die volle Rückendeckung des Aufsichtsrats um Chefkontrolleur Peter Bauer. Anleger inklusive des 17-Prozent-Großaktionärs Siemens sahen darin jedoch einen Einstieg ins Massengeschäft mit Chips und damit eine Abkehr von der bisherigen Strategie eines spezialisierten Auto- und Industriezulieferers; zeitweise stürzte die Aktie um fast ein Drittel ab.

Es folgte ein bizarrer Kleinkrieg zwischen Kaeser und Berlien, die in einer Nichtentlastung Berliens auf dem Aktionärstreffen im Februar 2016 gipfelte. Offensichtlich hatte Berliens Strategieankündigung Kaesers Überlegungen durchkreuzt, Siemens' Börsen-Chart zeigen Osram-Aktien im Rahmen eines Übernahmeangebots an einen chinesischen Wettbewerber zu verkaufen und dabei noch eine Übernahmeprämie zu kassieren.

Sollte es diese Pläne gegeben haben, haben sie sich bis auf weiteres zerschlagen. Massiver Widerstand der Osram-Arbeitnehmerseite und die abwehrende Haltung im Bundeswirtschaftsministerium bewogen die Chinesen schon gegen Jahresende, sich zurückzuziehen.

Der Osram-Aktienkurs hat indes die damaligen Kursverluste wieder wettgemacht; dem Vorstand um Berlien gelang es inzwischen, selbst große Zweifler von der neuen Strategie zu überzeugen. So ist die genossenschaftliche Fondsgesellschaft Union Investment, die einst ihre Osram-Aktien komplett verkauft hatte, wieder bei Osram eingestiegen.

Osrams Geschäfte laufen gut, dank wachsender Nachfrage nach LED-Chips für Smartphones und nach Autobeleuchtung. Für 2016/17 erwartet Osram einen bereinigten Umsatzanstieg von 5 bis 7 Prozent und eine operative Marge von mindestens 16 Prozent.

Schon im Januar hatte Kaeser am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos im US-Sender Bloomberg TV versöhnliche Töne angeschlagen und gelobt, Osram sei erwachsen geworden. "Osram musste sich stark restrukturieren", sagte Kaeser. Siemens habe stets gesagt, dass man Osram als schützende Mutter in diesem Prozess begleiten werde. Dieser sei nun abgeschlossen. "Ich glaube, das Kind ist erwachsen geworden."

Diese Äußerungen Kaesers werden in Finanzkreisen so interpretiert, dass der Siemens-Chef damit einen Verkauf des Siemens-Aktienpakets über die Börse vorbereitet - womöglich in zwei oder drei Tranchen. Die Hälfte des Pakets ließe sich, so schätzen Investmentbanker, mit einem Abschlag von etwa fünf Prozent auf den Kurs von zuletzt knapp 57 Euro sicher platzieren. Damit bekäme Kaeser zwar nicht die erhoffte Übernahmeprämie, aber immerhin etwas mehr, als ihm Continental-Chef Elmar Degenhart vergangenen Sommer für das Paket zahlen wollte.

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