Montag, 11. Dezember 2017

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Thomas Ebeling verlässt ProSiebenSat.1 Unsere Kunden? "Ein bisschen fettleibig, ein bisschen arm" - und raus war der CEO

Game over: Thomas Ebeling.

Der langjährige ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling verlässt Ende Februar 2018 vorzeitig den Medienkonzern. Darauf hätten sich Ebeling und der Aufsichtsrat am Sonntag einvernehmlich verständigt, heißt es in der Pressemitteilung vom Sonntagabend - in der sich Aufsichtsratschef Werner Brandt in einer Eloge bei Ebeling bedankt und Ebeling sich in einer Eloge bei seinen Mitarbeitern. Gründe für den vorzeitigen Abgang wurden nicht genannt. Ebeling, der im kommenden Jahr 59 Jahre alt wird, hatte den Konzern Anfang 2009 in schwieriger Zeit übernommen und in den Dax geführt. Er hatte noch einen Vertrag bis Mitte 2019.

Der vorzeitige Rückzug steht in engem Zusammenhang zu umstrittenen Äußerungen Ebelings in dieser Woche. Der Top-Manager, durch seine Arbeit bei dem Medienkonzern selbst zum Multimillionär aufgestiegen, hatte seine Kunden indirekt beleidigt: "Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen. Das ist eine Kernzielgruppe, die sich nicht ändert", hatte er vor Aktienanalysten gesagt.

Ebeling hatte auf hartnäckige Fragen eines Analysten seine Sender verteidigt und

deutlich machen wollen, dass sich nicht jeder Netflix leisten könne oder künstlerisch ambitionierte Filme schauen wolle. ProSiebenSat.1 kämpft mit sinkenden Zuschauerzahlen und Werbeeinnahmen - und infolgedessen auch abschmelzendem Aktienkurs.

Nachdem die Aussagen am Mittwoch weit verbreitet wurden, hatte Ebeling erklärt: "Bei meiner Aussage handelte es sich natürlich um eine plakative Zuspitzung zur Illustration unterschiedlicher Mediennutzungsweisen. Mitnichten wollte ich unsere TV-Zuschauer diskreditieren."

Aufsichtsratschef Brandt sucht bereits seit einiger Zeit nach einem Nachfolger für Ebeling, nachdem der im Interview mit dem manager magazin bekannt gemacht hatte, dass er nicht über 2019 für ProSiebenSat.1 Börsen-Chart zeigen arbeiten wolle. Allerdings hatte Brandt nicht damit gerechnet, so rasch handeln zu müssen: Am Sonntag wurde Conrad Albert, im Vorstand unter anderem für Rechtsfragen zuständig, zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden ernannt. Sollte Ebelings Nachfolger nicht schon Ende Februar zur Verfügung stehen, sei Albert dafür verantwortlich, "die Kontinuität im Unternehmen zu sichern und die Umsetzung der Strategie zu garantieren", teilte der Aufsichtsrat mit.

Reuters, soc

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