Donnerstag, 24. August 2017

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Litauischer Betrüger fischt 100 Millionen Dollar ab Diese Tech-Stars fielen auf Betrugs-Mails rein

Neuer Apple-Campus: Auch die Tech-Genies sind nicht ganz sicher

Das Ziel hat sich Evaldas Rimasauskas wohl gut überlegt. Ausgerechnet auf "multinationale Internet-Konzerne aus den USA" hatte es der 48-jährige Litauer mit E-Mail-Betrug abgesehen, wie ihm die US-Staatsanwaltschaft des Bezirks New York vorwirft. Laut Anklage hatte er damit zunächst sogar Erfolg: Mehr als 100 Millionen Dollar bekam er demnach ab 2013 von gutgläubigen Finanzmanagern überwiesen, bevor die Cyberkriminalitäts-Spezialisten des FBI auf ihn aufmerksam wurden.

Die Geschädigten im Silicon Valley werden in der Schrift nur anonym genannt. Aber die sind das eigentlich Bemerkenswerte an dem Fall, wie "The Verge" genüsslich hervorhebt: Er offenbart, dass selbst die Größen der Branche es mit dem Datenschutz auch in eigener Sache nicht immer so genau nehmen.

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Um wen handelt es sich wohl bei "Victim-1", einer "multinationalen Technologiegesellschaft, spezialisiert auf internetbezogene Dienstleistungen und Produkte, mit Hauptsitz in den Vereinigten Staaten"? Und bei "Victim-2", einer "multinationalen Gesellschaft, die online soziale Medien und Vernetzungsdienste anbietet", ebenfalls mit Hauptsitz in den Vereinigten Staaten? Ein verlinkter Twitter-Kommentar spekuliert auf Apple Börsen-Chart zeigen und Facebook Börsen-Chart zeigen.

Die Masche war denkbar einfach. Demnach gründete Rimasauskas in Lettland eine Scheinfirma mit demselben Namen wie "Company-1", ein unbeteiligter asiatischer Auftragsfertiger von Hardware, mit dem Opferfirma 1 regelmäßig Multi-Millionen-Dollar-Beträge abwickelt. Per fingierter Mail forderte er das Geld im Namen dieses Unternehmens an - und bekam es auch. Dann überwies er es schnell weiter über verschiedene Konten in Lettland, Zypern und anderen Ländern.

Staatsanwalt Joon Kim sieht darin einen "Weckruf für alle Unternehmen - selbst die höchstentwickelten -, dass auch sie Phishing-Attacken von Cyber-Kriminellen zum Opfer fallen können".

Anlass zur Schadenfreude besteht also nicht. Aber vielleicht wirkt das beruhigend für den fränkischen Industriekonzern Leoni Börsen-Chart zeigen, der im vergangenen Jahr 40 Millionen Euro über die "Chef-Masche" verlor und sich als "Deutschlands dümmster Zulieferer" schmähen lassen musste. Oder den österreichischen Flugzeugausrüster FACC, der auf gleichem Weg 50 Millionen Euro einbüßte und anschließend den Vorstandschef abberief.

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