Freitag, 18. August 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Datenkrake Palantir und die dunkle Seite der Macht

Alex Karp, Doktor der Philosophie und Chef der Softwarefirma Palantir. Seit bekannt ist, dass Palantir zur Tötung von Osama bin Laden beigetragen haben soll, begleiten ihn Bodyguards.

Sie gilt als scharfe Waffe im Kampf gegen den Terrorismus - die Analysesoftware von Palantir. Informationen über das Unternehmen sind spärlich. Für ein Investorenprospekt hat es die Tür nun einen Spalt geöffnet.

Hamburg - Es war ein absurder Auftritt im Januar 2014. Der Technologiechef von Palantir saß auf einem Podium der Hubert-Burda-Media Digitalkonferenz DLD in München, bereit für ein Interview - und dennoch sagte er nichts. Shyam Shankar redete zwar, aber eben derart Nichtssagendes, dass im Publikum bald die ersten den Kopf schüttelten.

Er beschrieb allgemein das Problem großer Datenmengen (Big Data), vermied es aber, die Arbeit seines Unternehmens genauer zu erklären. Er verwies gerne darauf, dass Palantir mit Hilfsorganisationen zusammenarbeite, aber über eine Zusammenarbeit mit Geheimdiensten, darüber brachte er keine Silbe über die Lippen. Nach rund 18 Minuten sagte die Moderatorin, die zweifelsohne ihr Bestes versuchte: "Es freut sie sicherlich, dass unsere Zeit abgelaufen ist".

Palantir gilt als eines der erfolgreichsten jüngeren Unternehmen aus dem Silicon Valley. US-Medienberichten zufolge wird es auf neun Milliarden Dollar taxiert. Dieser Wert könnte demnächst steigen. Denn im US-Bundesstaat Delaware registrierte Palantir Ende vergangenen Jahres eine neue Finanzierungsrunde. 400 Millionen Dollar will das Unternehmen einsammeln. Knapp eine Milliarde Dollar erhielt es bereits von Investoren seit der Gründung 2004.

Neuen Investoren muss das Unternehmen sein Potenzial offenbaren, was im Falle Palantirs durchaus ein Balanceakt ist. Denn einerseits gelang es dem Unternehmen eine Software zu programmieren, die Daten aus verschiedenen Informationsquellen zusammenführen kann, um sie für Menschen analysierbar zu machen, etwa bei der Verbrechensbekämpfung.

Andererseits ist das Unternehmen mit Vorwürfen konfrontiert, dass genau dieses Analysetool den Geheimdiensten bei der Auswertung der Daten aus der massenhaften Überwachung hilft, die der frühere Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden 2013 enthüllte.

Verteidigungsministerium als größter Kunde

Der Technologie-Blog "Techcrunch" zitiert nun aus einem Prospekt an Investoren, in dem das Unternehmen einige seiner Kunden beim Namen nennt. Worüber Technikchef Shankar im Januar vergangenen Jahres nichts sagen wollte oder konnte, steht laut "Techcrunch" nun im Prospekt. So würden etwa die Geheimdienste CIA und NSA, das Heimatschutzministerium, die Marine, die Air Force, das Kommando für Spezialoperationen der USA, die Militärakademie der USA (West Point) oder etwa die Militäreinheit zur Abwehr von Anschlägen auf Truppen "Joint IED Defeat Organization" die Software des Unternehmens nutzen.

Im Prospekt wird der erfolgreiche Einsatz im Kampf gegen den Terrorismus betont. Sogar ehemalige Militärs werben für Palantirs Produkt. "Es ist eine Kombination aus allen analytischen Tools die man sich nur erträumen kann. Man wird jeden einzelnen Schurken in der Umgebung kennen", wird Samuel Reading zitiert, ein früherer Marine, der in Afghanistan für NEK Advanced Securities Group im Einsatz ist, einem Auftragnehmer des US-Militärs.

Hervorgehoben wird auch, dass Palantirs Software dazu beigetragen habe, das Schneeballsystem des Anlagebetrügers Bernie Madoff mitaufzudecken. Binnen Stunden hätte sie aus 20 Terabyte Daten die Schlüsselereignisse im Fall Madoff offenlegen können.

Dass es über Palantir auch kritische Aspekte gibt, dies steht naturgemäß nicht im Prospekt für Investoren aus dem "Techcrunch" zitiert. Der Blog vermeidet allerdings ebenfalls eine kritische Einordnung des Unternehmensprodukts. Dabei zeigen gerade die Enthüllungen der vergangenen Jahre, dass Palantirs Software nicht von jedem gefeiert wird.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH