Donnerstag, 25. August 2016

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Nokias Übernahmepläne Dieser Mann bietet 15,6 Milliarden Euro für Alcatel-Lucent

Rajeev Suri, Chef von Nokia, könnte den einstigen größten Handy-Hersteller wieder zu alter Größe führen

Der einstige Handy-Weltmarktführer Nokia will sich neu erfinden und nun in der hart umkämpften Netzwerk-Branche zur Nummer eins aufsteigen. Dazu plant das finnische Unternehmen eine Fusion mit dem französischen Rivalen Alcatel-Lucent.

Nokia gab am Mittwoch offiziell ein Angebot für Aktien des in Paris ansässigen Konkurrenten bekannt. Die neue Firma solle Nokia Corporation heißen. Hauptsitz werde Finnland sein, mit einer "starken Präsenz" in Frankreich.

Der finnische Konzern bietet 0,55 neue Aktien für einen Anteilsschein von Alcatel-Lucent. Der Deal solle im ersten Halbjahr 2016 abgeschlossen werden. Alcatel-Lucent werde mit insgesamt 15,6 Milliarden Euro bewertet, hieß es. Für die Aktionäre bedeute das einen Aufschlag von 28 Prozent auf den durchschnittlichen Preis der vergangenen drei Monate. Bei einer Fusion würde ein Unternehmen mit einem Marktwert von rund 40 Milliarden Euro entstehen - fast zwei Drittel davon kämen von Nokia.

Netzwerk-Ausrüster liefern Technik für Telekom-Konzerne. Dabei stehen etablierte westliche Anbieter unter verstärktem Druck aggressiver Rivalen aus China. Gemeinsam könnten Nokia und Alcatel-Lucent besser mit ihnen konkurrieren. Bis 2019 sollen jährliche Einsparungen von 900 Millionen Euro bei den operativen Kosten erzielt werden, wie Nokia ankündigte. Erst am Dienstag hatte die Unternehmen nach Medienberichten Gespräche über einen Zusammenschluss bestätigt.

Mögliche Rückkehr auf die große Bühne

Für Nokia wäre es eine Rückkehr auf die große Bühne. Der einstige Gummistiefel-Hersteller und Mobiltelefon-Pionier ist zu einem reinen Netzwerkausrüster geschrumpft. Erst vor rund einem Jahr wurde die traditionsreiche Handysparte an Microsoft verkauft. Die Geschäfte waren zuvor jahrelang schwach gelaufen.

Sollte die Fusion nun gelingen, wäre Nokia ein Beispiel dafür, dass sich eine Firma mehrmals erfolgreich neu aufstellen kann. Platzhirsch unter den Telekomausrüstern ist bislang der schwedische Ericsson-Konzern.

Nokia-Chef Rajeev Suri und sein Alcatel-Lucent-Kollege Michel Combes waren am Dienstag mit dem französischen Präsidenten Francois Hollande zusammengekommen. Wirtschaftsminister Emmanuel Macron unterstützt die Firmenpläne. "Es ist ein guter Schritt für Alcatel-Lucent, weil es ein Schritt Richtung Zukunft ist."

Wie genau das neue Unternehmen jährlich 900 Millionen Euro einsparen will, ist derzeit noch unklar. Bei den 6000 Beschäftigten von Alcatel-Lucent in Frankreich soll es aber keine Kürzungen geben, hieß es noch am Dienstag. Nach der Fusion plane die Gruppe zudem, den Bereich Forschung und Entwicklung dort anzusiedeln.

Zusammen würden Nokia und Alcatel-Lucent beim Umsatz die Netzwerk-Marktführer Ericsson und Huawei übertreffen. Größe ist laut Gartner-Analyst Sylvain Fabre vor allem in dieser von Preiskämpfen gebeutelten Branche entscheidend. Die Zahl der Kunden sei ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Hinzu komme, dass Nokia und Alcatel zusammen mehr Patente hätten.

Experten halten zwar Probleme bei der Integration der Firmen für möglich, betonen aber die Vorteile einer Fusion. So sei Alcatel gut in den USA aufgestellt, wo Telekom-Riesen wie AT&T und Verizon zu den Kunden gehören. Nokia habe auf dem wichtigen Schlüsselmarkt hingegen Nachholbedarf, sei dafür aber in Europa und Japan stark.

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