Mittwoch, 28. September 2016

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Neue Top-Level-Domains Millionengefecht um .berlin, .books und Co.

Von iCloud.com bis Sex.com: Die teuersten Domains der Welt
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Das Internet wird bunter. Zu den bisherigen Domain-Kürzeln wie .de, .com oder .aero sollen sich künftig neue Top-Level-Domains wie .books, .berlin oder auch .bmw gesellen. Amazon und Google bringen sich in Stellung.

Hamburg - Berlin ist endlich mal wieder vorn: Als weltweit erste Stadt hat die deutsche Metropole ihre eigene Domain-Endung. Ab sofort können Bürger und Unternehmen der Stadt einen Namen für ihre Internetseite vorbestellen, der auf ".berlin" endet. "Im ersten Bestellschwung waren vor allem Keyword-Domains mit Begriffen wie Architekt, Ferienwohnung und Tierarzt dabei", sagt Christian Böing, Vorstandsvorsitzender des Domain-Anbieters Strato. Allein: Das Interesse von Seiten der in Berlin ansässigen Unternehmen ist laut des Top-Level-Domain-Betreibers Dotberlin eher mäßig.

Dabei könnten die neuen Top-Level-Domains (TLD) wie ".berlin" das Internet grundlegend verändern. Bislang war deren Zahl überschaubar, neben den rund 200 länderspezifischen Endungen wie ".de" gab es bislang lediglich eine kleine Zahl weiterer TLD-Namen wie ".org" und ".aero". Das wird in naher Zukunft anders. Denn die internationale Web-Verwaltungsbehörde Icann, sie koordiniert die Vergabe von Namen und Adressen im Internet, hat die bislang dritte und mit Abstand umfangreichste Runde zur Vergabe neuer Top-Level-Domains eingeläutet.

In den kommenden zwei Jahren sollen bis zu 1400 neue TLDs vergeben werden. Der Grund: "Das Internet wächst schnell, und es sind immer weniger Domains mit vernünftigen Namen verfügbar", sagt Hans-Peter Oswald, Geschäftsführer der Secura GmbH aus Köln, bei der Interessenten neue Domain-Namen reservieren können.

Die neuen Domains könnten die Karten im Internet neu mischen: Suchmaschinen wie Google durchforsten das Netz nach Seiten, auf denen ein gesuchter Begriff möglichst oft und vor allem an prominenter Stelle genannt wird. "Wer einen gesuchten Begriff bereits in seiner Domain-Endung stehen hat, dürfte deutlich bessere Chancen haben als Seiten mit einer klassischen Ländercode-Endung", sagt Oswald. Ob das tatsächlich so sein wird, bleibt freilich den Suchmaschinenbetreibern überlassen, und wie sie ihren Suchalgorithmus programmieren.

Das Vergabeverfahren für die neuen Top-Level-Domains geht derzeit in die heiße Phase: Die ersten freigegebenen Endungen waren ".bike", ".clothing", ".guru", ".holdings", ".plumbing", ".singles" und ".ventures". Mittlerweile sind Endungen wie ".tips", ".photography", ".today" und eben ".berlin" hinzugekommen. Reservierungen für einzelne Domains innerhalb dieser Top-Level-Domains nehmen die meisten Web-Hosting-Dienstleister bereits entgegen.

Wie erfolgreich solche Endungen am Ende sein werden und wie viele Firmen und Privatnutzer die Domains bestellen werden, ist noch nicht absehbar. Städte-Endungen wie ".berlin" scheinen noch am ehesten zu funktionieren: "Die .berlin ist die beliebteste Domain-Endung unter den bisher neu eingeführten Top-Level-Domains", sagt Strato-Chef Christian Böing. Und der Domain-Anbieter united-Domains verzeichnet nach eigenen Angaben bereits 50.000 Vorbestellungen für die Hauptstadt-Endung. Stärker nachgefragt seien bislang nur die Domain-Endungen ".shop" und ".web".

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