Donnerstag, 24. Mai 2018

Gewinnsprung entzückt Investoren Netflix jetzt mehr als 100 Milliarden Dollar wert

Netflix-Chef Reed Hastings will dieses Jahr bis zu acht Milliarden Dollar in eigene Produktionen investieren. Das Konzept für spezielle Märkte spezielle Angebote zu schaffen, scheint aufzugehen

Der Online-Videodienst Netflix brummt dank Serienhits wie "Stranger Things" und "The Crown" weiter - zum Jahresende stiegen Nutzerzahlen und Erlöse überraschend kräftig. Im vierten Quartal kletterte der Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 66,7 Millionen auf 185,5 Millionen Dollar (151,3 Millionen Euro), teilte das Unternehmen am Montag nach US-Börsenschluss mit. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2017 verdiente Netflix 559 Millionen Dollar und damit fast dreimal soviel wie im Vorjahr.

Bei Anlegern kamen die Zahlen sehr gut an. Die Aktie Börsen-Chart zeigen schoss nachbörslich zunächst um über 8 Prozent in die Höhe, was den Börsenwert erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar knacken ließ.

Im Schlussquartal lieferte Netflix dank erfolgreicher Eigenproduktionen einen starken Jahresendspurt und gewann 8,3 Millionen neue Kunden hinzu. Dieser Rekordwert übertraf die eigenen Erwartungen ebenso wie die vieler Analysten.

Zuwachs vor allem außerhalb der USA

Mit 6,4 Millionen wurde der Großteil der neuen Nutzer außerhalb der USA hinzugewonnen. Netflix forciert die internationale Expansion stark und setzt mit speziell für Auslandsmärkte produzierten Shows auf Exklusivität. Das Rezept scheint aufzugehen. "Wir hatten ein schönes viertes Quartal, das ein großartiges Jahr der globalen Expansion des Internet-TVs komplettierte", heißt es im Brief an die Aktionäre.

So brachte es Netflix zuletzt auf rund 111 Millionen bezahlte und insgesamt etwa 118 Millionen Streaming-Abos. Für das laufende Quartal stellt das Unternehmen - trotz angekündigter Preiserhöhungen im wichtigen US-Markt - einen weiteren kräftigen Zuwachs um knapp 6,4 Millionen Nutzer weltweit in Aussicht. Angetrieben vom starken Kundenzustrom legte der Umsatz im vierten Quartal im Jahresvergleich um annähernd ein Drittel auf 3,3 Milliarden Dollar (2,7 Milliarden Euro) zu.

Wettbewerber Disney greift an

Aber auch die Konkurrenz legt zu. Mit dem Kauf großer Konzernteile des Rivalen 21st Century Fox und der Kampfansage, ab 2019 mit einem eigenen Streaming-Dienst anzugreifen, macht vor allem Disney Druck. Der Hollywood-Riese hat seine Lizenzpartnerschaft mit Netflix bereits gekündigt und will attraktive Produktionen seiner Filmstudios von der Plattform abziehen und künftig selbst im Netz anbieten.

Durch den über 50 Milliarden Dollar schweren Deal mit Fox erlangt Disney zudem eine riesige Palette weiterer TV- und Film-Produktionen und nicht zuletzt auch die Kontrollmehrheit an der Video-Plattform Hulu. Hierbei handelt es sich bereits heute um einen der größten Verfolger von Netflix - wenngleich Hulu noch deutlich hinter Amazon rangiert.

Doch nicht nur Hollywood auch das Silicon Valley greift Netflix an. Die Geschäftsmodelle von Unternehmen der Medien- und der Technologiebranche überschneiden sich zusehends und sorgen damit auf dem Unterhaltungsmarkt für mehr Wettbewerb. So rüstet Google Börsen-Chart zeigen sein Youtube-Portal auf, während Twitter in Live-Inhalte investiert und Apple an eigenen Shows bastelt.

Zudem versucht der Mobilfunkriese AT&T mit der Übernahme des Medienkonzerns Time Warner, zu dem der Bezahlsender HBO ("Game of Thrones" und das News-Flaggschiff CNN gehören, den Quereinstieg ins TV- und Filmgeschäft. Der Abschluss des Deals ist allerdings wegen kartellrechtlicher Bedenken ungewiss.

Netflix bleibt indes gelassen - der Entertainment-Markt sei groß genug für viele erfolgreiche Services, hieß es im Aktionärsbrief. Um die Stellung zu halten, investiert Netflix viel Geld in Eigenproduktionen. Dieses Jahr sollen 7,5 bis 8 Milliarden Dollar in sogenannte "Originals" fließen.

Rei/dpa

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