Sonntag, 4. Dezember 2016

Alle Artikel und Hintergründe

Online-Videodienst wächst rasant 75 Millionen Menschen nutzen Netflix

Mit Ausnahme von China fast weltweit zu erreichen: Neflix-Chef Reed Hastings hat die Expansion kräftig vorangetrieben, die Abonnentenzahl steigt stark an

Der US-Streamingdienst Netflix hat das vergangene Jahr mit einem zweistelligen Millionengewinn abgeschlossen und seine Abonnenten auf mehr als 75 Millionen weltweit gesteigert

Der Video-Dienst Netflix hat schon vor seinem aggressiven globalen Ausbau deutlich mehr neue Kunden angelockt. Netflix gewann im vergangenen Quartal rund 5,6 Millionen Kunden hinzu, so viele wie noch nie in einem Vierteljahr. Der weltweite Umsatz schnellte um 23 Prozent auf 1,82 Milliarden Dollar in die Höhe, wie die Firma aus Kalifornien in der Nacht zu Mittwoch mitteilte. Den Anlegern gefiel das: Sie ließen die Aktie nachbörslich um fast sieben Prozent steigen.

Netflix hatte Anfang Januar den Start in 130 weiteren Ländern bekanntgegeben. In den bisherigen 60 Ländern hatte Netflix bis Ende Dezember insgesamt rund 75 Millionen Nutzer. Nun ist der Dienst fast überall auf der Welt verfügbar, als einziger relevanter Markt fehlt noch China.

Netflix erwartet in zwölf Wochen sechs Millionen neue Kunden

Für das laufende Quartal rechnet der Streaming-Dienst mit 6,1 Millionen neuen Kunden. Das mag angesichts des Sprungs von 60 auf 190 Länder als zurückhaltende Prognose erscheinen - aber Netflix stellt sich auf ein langsames Wachstum in seinen neuen Märkten ein. Die globale Expansion erfordere zunächst einmal hohe Marketing-Ausgaben, um den Dienst in Ländern wie Pakistan oder Kambodscha bekannter zu machen, sagte Gründer und Chef Reed Hastings am Rande der DLD-Konferenz in München. "Wir wären dort gern so populär wie in den USA. Das wird 10 bis 15 Jahre harter Arbeit bedeuten."

Während das internationale Wachstum Schwung bekommt, stößt Netflix im bereits stark abgegrasten Heimatmarkt USA an Grenzen. Dort gab es noch 1,56 Millionen Neuzugänge. Allerdings hat der Dienst dort auch bereits knapp 45 Millionen Kunden - immer noch mehr als die Hälfte aller Nutzer.

Wachstum in den USA stößt an Grenzen, Quartalsgewinn fällt

Netflix ist - genauso wie der rivalisierende Service von Amazon oder Maxdome und Watchever in Deutschland - ein Streaming-Dienst, bei dem Videoinhalte für eine monatliche Abo-Gebühr direkt aus dem Netz abgespielt werden.

Hastings setzt verstärkt auf Eigenproduktionen und den Kauf von Exklusivrechten für Filme und Serien, um sich von der Konkurrenz abzuheben. In diesem Jahr soll es 600 Stunden an eigenen Inhalten geben, 150 mehr als 2015. Das Budget für den Ankauf von Inhalten lag schon im vergangenen Jahr bei fünf Milliarden Dollar und soll weiter steigen.

Der Quartalsgewinn ging zwar von 83 auf 43 Millionen Dollar zurück - das Vorjahresergebnis enthielt aber eine Steuergutschrift von 39 Millionen Dollar.

Netflix ließ es sich auch nicht nehmen, sich im Quartalsbericht über Äußerungen eines Managers des US-Senders NBC lustigzumachen, der jüngst sagte, die Rolle von Online-Diensten werde überschätzt und klassisches lineares Fernsehen sei "TV wie Gott es vorgesehen hat."

Netflix konterte jetzt: "Unsere Investoren sind sich nicht so sicher über Gottes Absichten für das Fernsehen und denken dagegen, dass Internet-Fernsehen ein fundamental besseres Unterhaltungserlebnis bietet, dass für viele Jahre Marktanteile gewinnen wird."

rei/dpa/Reuters

Nachrichtenticker

© manager magazin 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH