Freitag, 1. Juli 2016

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Verschenken von Vermögen Ist die Zuckerberg-Initiative besser als eine Stiftung?

Wollen Gutes tun: Mark Zuckerberg und seine Frau Priscilla Chan

Wer älter wird und etwas geschaffen hat, fragt sich oft: "Was bleibt von mir?" Die Antworten sind über die Jahrhunderte verschieden. Für Cicero war es der Ruhm, für Albert Schweitzer die Liebe: "Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir gehen." Häufig ist diese Frage Auslöser für eine Stiftung. 81 Prozent aller Stiftenden wollen etwas Bleibendes schaffen, so eine Untersuchung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.

Nun hat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gemeinsam mit seiner Frau Priscilla Chan verkündet, er wolle 99 Prozent seiner Facebook-Aktien Börsen-Chart zeigen im Gegenwert von 45 Milliarden US-Dollar in eine wohltätige Initiative einbringen. Ein enorm großzügiges Vorhaben, bei dem man über zwei Aussagen stutzt.

Erstens nennt sich das Projekt "Chan Zuckerberg Initiative" - und gerade nicht "Stiftung". Es wird eine US-Gesellschaft ähnlich einer deutschen Gesellschaft mit beschränkter Haftung gegründet. Diese erhält die Facebook-Aktien und soll aus den Erträgen in gemeinnützige und rein wirtschaftliche Vorhaben investieren. Damit ist sie - anders als die Bill Gates Foundation - keine gemeinnützige Einrichtung, sondern eine ganz normale Firma, die den Eheleuten Zuckerberg gehört.

Konstantin Mettenheimer
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    Konstantin Mettenheimer ist Chairman und Mitinhaber von PMB Capital Ltd. Private Merchant Banking London, er berät Familienunternehmer und Investoren in Fragen der Strategie, der Vermögensanlage und der Strukturierung. Zuvor war er Partner der Edmond de Rothschild Private Merchant Banking LLP, London, und davor weltweiter Chairman der internationalen Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer.
Ihr Versprechen haben sie also gegenüber ihrer eigenen Gesellschaft abgegeben. Keiner kann es einklagen, und Mark Zuckerberg will die Facebook-Aktien erst schrittweise einbringen. Zudem könnte die Gesellschaft im Gegensatz zu einer Stiftung sogar rückabgewickelt werden. Die Eheleute Zuckerberg haben also völlige Freiheit, ob, wann und wie sie die angestrebten Ziele umsetzen werden.

Gerade um den Jahreswechsel herum machen sich viele Menschen Gedanken darüber, was mit ihrem Vermögen dereinst geschehen soll.

Taugt eine Initiative nach dem Zuckerberg-Vorbild auch für Deutschland - womöglich als Alternative zur klassischen Stiftung? Und wenn ja, wie flexibel können solche Strukturen hierzulande sein?

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