Freitag, 30. September 2016

Dave Goldberg "Jeder will mit mir über meine Frau sprechen"

Dave Goldberg: "Jedes Paar, bei dem beide eine Karriere verfolgen, muss hart daran arbeiten, dass es logistisch irgendwie läuft"

Dave Goldberg ist verheiratet mit Sheryl Sandberg, derzeit berühmteste US-Managerin, Facebook-Frontfrau und Feministin. Er verfolgt dennoch eine eigene Karriere als CEO des Tech-Unternehmens SurveyMonkey. Wie das gelingt, und wie es sich anfühlt, immer als "der Mann von Sheryl" zu gelten, darüber sprach Goldberg mit manager magazin.

Dave Goldberg: Haben Sie schon einmal SurveyMonkey benutzt?

mm: Nein, nie. Und ich frage mich, wie Sie überhaupt Kunden in Deutschland gewinnen konnten. Sie machen keinerlei Werbung für Ihren Dienst. Wollen Sie nicht entdeckt werden?

Goldberg: Wir machen grundsätzlich keine großen Anzeigenkampagnen oder ähnliches. In den USA, unserem Heimatmarkt, sind wir allein über Empfehlungen unserer Kunden gewachsen. So haben wir ein Geschäft aufgebaut mit zuletzt 113 Millionen US-Dollar Umsatz und einem Gewinn (EBITA) von 62 Millionen. In Deutschland werden jeden Monat schon 10.000 Umfragen mit SurveyMonkey durchgeführt. Aber wir sind noch nicht da, wo wir sein sollten.

mm: Sind die Deutschen weniger internetaffin als die Amerikaner?

Goldberg: Nein, daran liegt es nicht. Wir sind erst seit 2009 hier aktiv, unseren Dienst gibt es also noch nicht so lange in deutscher Sprache. Wir müssen einfach aufholen. Momentan sind unsere Hauptnutzer Studenten und Wissenschaftler an Universitäten. Es gibt noch großes Potenzial hier.

mm: Und wie wollen Sie schneller zulegen?

Goldberg: Wir werden wahrscheinlich doch Marketing machen müssen und nächstes Jahr vielleicht ein Büro hier eröffnen. Deutschland könnte unser größter Markt in Europa werden.

mm: Den deutschen Kunden ist die Sicherheit ihrer Daten wichtiger als vielen US-Nutzern. Können Sie garantieren, dass die Ergebnisse einer bei Ihnen durchgeführten Studie nicht auch von Dritten eingesehen werden?

Goldberg: Wir investieren jede Menge Geld und Technologien in unsere Sicherheitsvorkehrungen und wir teilen die Daten unserer Kunden nicht mit Dritten. Außerdem finanzieren wir uns nicht über Werbung, wie viele andere Internet-Unternehmen. Die Kunden bezahlen uns für unsere Dienste. Wir brauchen das Werbegeschäft mit den Daten unserer Kunden also überhaupt nicht.

mm: SurveyMonkey hat jüngst eine der größten Kapitalerhöhungen eines Unternehmens durchgeführt, das nicht börsennotiert ist. Sie haben 800 Millionen US-Dollar eingesammelt. Warum sind Sie nicht gleich an die Börse gegangen?

Goldberg: Wir brauchen momentan weder dringend noch mehr Kapital, noch benötigen wir Geld für Übernahmen und wir müssen durch einen IPO auch nicht unsere Marke stärken. Das sind die Gründe, warum Unternehmen normalerweise an die Börse gehen. Wir brauchten einfach nur mehr Geld für unsere Frühinvestoren und Mitarbeiter. In meiner Zeit bei Yahoo Börsen-Chart zeigen haben wir viele schlechte Entscheidungen getroffen, nur aus Angst, der Kurs könne abstürzen. Das wollte ich uns ersparen. Das heißt aber nicht, dass wir nicht eines Tages, wenn es von Vorteil für uns ist, doch noch den Schritt wagen.

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