Freitag, 24. November 2017

Invasion der Supercomputer Japanischer Versicherer ersetzt 34 Leute durch Künstliche Intelligenz

IBM-Supercomputer "Watson": Beim japanischen Versicherer Fukoku macht der Rechner künftig die Arbeit von 34 ehemaligen Mitarbeitern

Die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz bereiten vielen Menschen Sorgen. Sie befürchten, dass hochentwickelte Computer oder Roboter künftig zunehmend menschliche Arbeitsplätze obsolet machen könnten.

In Japan gibt es nun einen Fall, in dem diese Bedrohung drastische Realität wird: Einem Medienbericht zufolge ist der japanische Versicherungskonzern Fukoku gerade dabei, mehr als 30 Leute vollständig durch eine künstliche Intelligenz (KI) zu ersetzen.

Wie die japanische Tageszeitung "The Mainichi" berichtet, installiert die Fukoku Mutual Life Insurance ein KI-System in ihrer Abteilung zur Berechnung von Schäden und Kundenansprüchen. 34 der insgesamt rund 130 Mitarbeiter dieser Abteilung verlören dadurch ihren Job, heißt es in dem Bericht. Insgesamt hat der Fukoku-Konzern dem jüngsten Geschäftsbericht zufolge mehr als 12.000 Mitarbeiter.

Laut "The Mainichi" beruht das KI-System, das Fukoku einsetzt, auf dem IBM-Programm "Watson". Dabei handelt es sich dem Hersteller zufolge um eine "kognitive Technologie", die "denken kann, wie ein Mensch". Zudem sei die Software in der Lage, all möglichen Formen von Daten zu analysieren und zu interpretieren, so IBM, als da wären beispielsweise Texte oder Bilder sowie Audio- und Video-Dateien.

Bei Fukoku soll das KI-Programm medizinische Berichte von Ärzten und andere Dokumente lesen, aus denen Informationen hervorgehen, anhand derer sich die Auszahlungen an Kunden berechnen lassen. Die Software sei zudem in der Lage, besondere Klauseln in Versicherungsverträgen zu berücksichtigen, heißt es.

Die Anzahl der Fälle, die bei Fukoku in dieser Weise Jahr für Jahr bearbeitet werden müssen, belief sich dem Bericht zufolge zuletzt auf 132.000. Diese Arbeit soll künftig deutlich effizienter gemacht werden. Die letzte Entscheidung über eine Auszahlung an Kunden solle allerdings auch künftig menschlichen Arbeitskräften vorbehalten bleiben, so der Zeitungsbericht.

Auch die Frage, was Fukoku unter besserer Effizienz versteht, wird beantwortet: Demnach kostet die Installation des KI-Systems den Konzern einmalig 200 Millionen Yen (1,6 Millionen Euro). Zudem fallen laufende Kosten von jährlich 15 Millionen Yen an. Auf der anderen Seite spare das Unternehmen durch den Wegfall der insgesamt 34 Stellen etwa 140 Millionen Yen an Personalkosten pro Jahr.

Christoph Rottwilm auf Twitter

Ein Einzelfall ist Fukoku mit dem Einsatz der KI indes nicht. Auch andere japanische Versicherer wie Dai-Ichi Life Insurance oder Nippon Life Insurance setzen offenbar bereits solche Programme ein. Mit dem Schritt, menschliche Arbeitskräfte vollständig durch intelligente Computer zu ersetzen, betritt Fukoku jedoch offenbar Neuland.

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