Montag, 29. August 2016

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Krugman fordert - zerschlagt Amazon! Jeff Bezos muss Rockefellers Schicksal fürchten

John Rockefeller (l.), Jeff Bezos: Machtmissbrauch zum Schaden Amerikas?
Corbis; Reuters
John Rockefeller (l.), Jeff Bezos: Machtmissbrauch zum Schaden Amerikas?

Der einflussreiche Ökonom Paul Krugman ruft zur Schlacht gegen Amazon. Der Online-Händler besitze zu viel Marktmacht und missbrauche sie zum Schaden Amerikas. Jeff Bezos' Firma solle zerschlagen werden - wie vor 100 Jahren John Rockefellers Ölgigant Standard Oil.

Hamburg - Er selbst nutze Amazon Prime oft und gern, stellt Paul Krugman in seiner "New York Times"-Kolumne vom Montag klar. Am Nutzen des Online-Händlers für die Verbraucher gebe es nichts auszusetzen. Dennoch fällt der Wirtschaftsnobelpreisträger ein vernichtendes Urteil, das er in möglichst klare Worte fasst: "Amazon hat zu viel Macht, und es missbraucht diese Macht zum Schaden Amerikas."

Krugman vergleicht das Amazon Börsen-Chart zeigen von heute mit dem Konglomerat Standard Oil des "Räuberbarons" John Rockefeller, das 1911 auf Geheiß eines US-Bundesgerichts nach den damaligen Antikartellgesetzen in 34 Einzelfirmen zerschlagen wurde: nicht als Monopol, das seinen Kunden zu hohe Preise abverlangt, sondern als Monopson, das mit seiner Einkaufsmacht die Preise gegenüber den Lieferanten drückt.

Die gleichen Regeln müssten nun gelten, um Amazon-Chef Jeff Bezos seine Macht zu entreißen - eine Macht, die dazu führt, dass alles immer billiger wird, aber in Krugmans Ansicht zu hohen gesellschaftlichen Kosten.

Hintergrund ist ein seit langem schwelender und in diesem Mai eskalierter Streit im Buchvertrieb zwischen Amazon und Verlagen wie Hachette. Weil dieser sich den von Amazon verlangten Konditionen verweigere, werde er nun mit einer Umlenkung der Amazon-Kunden bestraft.

"Neues goldenes Zeitalter der Monopole"

Besonders perfide findet Krugman als eine der bedeutendsten Stimmen der linksliberalen Öffentlichkeit dies, weil die Strafe offenbar nach politischer Neigung dosiert werde: Ein Hachette-Buch des rechten Politstars Paul Ryan sei noch bequem erhältlich, während eine aus demselben Verlag stammende Kritik der einflussreichen Milliardärsfamilie Koch auf zwei bis drei Wochen Lieferzeit gedrosselt werde. Das zeige im Ansatz, wozu Amazon seine Macht in Zukunft missbrauchen könnte.

Vor Krugman hatten schon Schriftsteller wie Ursula Le Guin von "Zensur" gesprochen. Die Gruppe "Authors United" hat Prominente wie Philip Roth, Orhan Pamuk und Salman Rushdie mit der Forderung vereint, Amazon auf Verstoß gegen das Kartellrecht zu untersuchen.

Franklin Foer wirbt im Magazin "The New Republic" für einen "radikalen Plan" gegen Amazon als "das leuchtende Beispiel eines neuen goldenen Zeitalters der Monopole, zu denen auch Google Börsen-Chart zeigen und Wal-Mart Börsen-Chart zeigen zählen". Es werde Zeit, sich vom dominierenden Verbraucherschutz wieder dem ursprünglichen Zweck des Kartellrechts zuzuwenden: dem Schutz der Produzenten gegen schlechte Arbeitsbedingungen.

Dass Autoren sich an der Seite von Verlagen gegen Dumping wenden, mag naheliegen (Amazon antwortet mit der Forderung, die Autorentantieme zu Lasten der Verlage zu erhöhen). Krugman, der selbst sein Einkommen hauptsächlich aus dem Verkauf von Wirtschaftslehr- und -sachbüchern bestreitet, gibt der Debatte aber einen ganz neuen Schub. Als einer der führenden Ökonomen liefert er den Amazon-Gegnern feinere Argumente.

Ökonomenkollege Tyler Cowen bewertet die These, Amazons Marktmacht beruhe viel mehr auf dem "Buzz" um neue Bücher als auf dem tatsächlichen Verkauf, als spannend - bezweifelt aber dennoch, dass Amazons Praktiken großen volkswirtschaftlichen Schaden anrichteten. Ryan Avent vom "Economist" behauptet, Amazon habe gar keinen großen Einfluss auf den "Buzz", also die für die Vermarktung wichtige öffentliche Aufregung um ein Buch.

Wirklich angreifbar aber ist Krugman durch Kritik von links. Die Initiative "Fairness & Accuracy in Reporting" erinnert daran, dass Amazon auch große Wettbewerber hat: Der größte von ihnen ist Apple Börsen-Chart zeigen, das vor zwei Jahren tatsächlich einer Kartellbildung überführt wurde. Der Konzern hatte mit den Verlagen zusammen die Preise für E-Books auf seiner Plattform iTunes künstlich hochgehalten - und damit nach Ansicht des US-Justizministeriums einen volkswirtschaftlichen Schaden von 100 Millionen Dollar verursacht.

Die Zerschlagung von Standard Oil war übrigens nicht das letzte Wort der Geschichte. Die meisten Nachfolgeunternehmen schlossen sich in den folgenden Monaten wieder zusammen. Ein Teil ging an BP, ein Teil formte Chevron Börsen-Chart zeigen, der Großteil bildet heute aber mit Exxon Mobil Börsen-Chart zeigen erneut den größten privaten Ölkonzern der Welt.

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