Montag, 24. Juli 2017

Alle Artikel und Hintergründe

Wertvollster Konzern in Experimentierlaune Kann Apple auch Auto?

Apples möglicher Auftragsfertiger: Die Auto-Magnaten
Fotos
BMW

Seit erste Berichte über ein mögliches Auto aus dem Hause Apple die Runde machen, kommen fast täglich neue Details über das Projekt Titan ans Licht. Neben einem möglichen Datum für den Marktstart sickern auch erste Informationen über abgeworbene Mitarbeiter durch.

Hamburg - Es begann mit einem Gerücht in verschiedenen Blogs. Der iPhone-Hersteller werbe Tesla Börsen-Chart zeigen Mitarbeiter ab.Tesla-Chef Elon Musk hatte schließlich selbst Anfang Februar in einem Interview mit Bloomberg Businessweek bestätigt, Apple Börsen-Chart zeigen biete Tesla-Mitarbeitern eine Wechselprämie von 250.000 Dollar an und garantiere ihnen eine Gehaltssteigerung von 60 Prozent. Bei Apples Kapitalreserven von 178 Milliarden Dollar und dem zu erwartenden weiteren Cash-Flow in Milliardenhöhe, dürfte es dem Tesla-Chef schwer fallen dagegenzuhalten.

Seit einer Woche ist nun bekannt: Apple will tatsächlich ein Auto bauen. Mit den Vorgängen vertraute Personen bestätigten den Wirtschaftszeitungen "Financial Times" und "Wall Street Journal" ein Projekt namens Titan. Dahinter verberge sich die Entwicklung eines Elektroautos. Die Nachrichtenagentur Bloomberg will erfahren habe, dass die Produktion bereits 2020 erfolgen soll. Es könnte aber auch sein, dass die Vorstände die Entwicklung noch Absagen, wenn sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind.

Damit das Projekt aber gelingt, hat der Konzern bereits einige Prozesse in die Wege geleitet:

Neue Mitarbeiter: Der frühere Ford- und langjährige Apple-Manager Steve Zadesky soll ein Team von 1000 Mitarbeitern aufbauen. Zu den ersten Personalien dürfte der Wechsel von Johann Jungwirth gehört haben. Jungwirth hatte zuvor die Forschungs-und Entwicklungsabteilung von Daimler Börsen-Chart zeigen im Silicon Valley geleitet. In seinem Linkedin-Profil gibt er nun an, er arbeite an der "Entwicklung großartiger Mac-Produkte". Das dürfte so ziemlich jeder Mitarbeiter von Apple behaupten. Bei Daimler hat er sich zuvor ihm Wesentlichen mit der Integration von Elektronikgeräten in Autos beschäftigt. So steht es zumindest in seinem Profil beim Karrierenetzwerk an.

Daimler-Chef Dieter Zetsche gab sich gelassen ob der Apple-Ambitionen. "Wir haben viel Erfahrung im Automobilbau", sagte er laut einem Bericht. Apple "hat die nicht".

Von Tesla soll Apple nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters mehr als 60 Mitarbeiter abgeworben haben, darunter Dutzende Ingenieure aus den Bereichen Hardware, Software, Fertigung und der Zulieferkette.

Einer Klage des Elektroauto-Batteriehersteller A123 Systems ist zu entnehmen, dass sich der iPhone-Hersteller auch bei diesem Unternehmen nach neuen Mitarbeitern umgesehen haben soll. A 123 Systems hatte bereits 2012 Insolvenz angemeldet und stößt seither Geschäfte ab. Viele Mitarbeiter seien entgegen der Vertragsvereinbarung zu Apple gewechselt und würden nun an ähnlichen Produkten arbeiten. Manche Projekte hätte der Elektroauto-Batteriehersteller beenden müssen, weil die entscheidenden Mitarbeiter nun für Apple arbeiteten.

Einem jüngsten Bericht des Blogs 9to5 Mac zufolge entdeckte der Konzern aus Cupertino auch bei Autoliv neue Mitarbeiter. Das Unternehmen ist auf Sicherheitssysteme spezialisiert und hat eigenen Angaben zufolge als erstes Unternehmen Fahrer- und Beifahrer- und Seitenairbags eingeführt. Ein früherer Manager von Autoliv, spezialisiert auf Produktentwicklung und Markteinführungen, arbeitet bei Apple laut Linkedin-Profil nun in der "Special Projects Group".

Die Auftragsfertiger: Genauso wie in der Branche der Elektronikgerätehersteller gibt es in der Autoindustrie Unternehmen, die für Firmen wie etwa Daimler Börsen-Chart zeigen, BMW Börsen-Chart zeigen oder Porsche Börsen-Chart zeigen Autos fertigen. Die großen Autohersteller haben zwar alle ihre eigenen Produktionswerke, manchmal lagern sie die Fertigung aber auch an Dritte aus.

So hatte etwa der finnische Hersteller Valmet Automotive für Porsche den Boxster gebaut. Apple-Manager sollen sich unter anderem bei Magna Steyr, der österreichischen Tochter des kanadischen Auftragsfertiger Magna Börsen-Chart zeigen , vorgestellt haben. Das berichtete das "Wall Street Journal". Magna fertigte beispielsweise für BMW, Daimler oder auch Aston Martin Modelle.

Apple ist bislang nicht dafür bekannt, eigene Fabriken aufzubauen. Für die Herstellung von iPhone und iPods wählte der Konzern viele verschiedene Zulieferer aus Asien. Wie viele andere Elektronikgerätehersteller lässt Apple allen voran beim chinesischem Foxconn und dem taiwanesischen Pegatron fertigen. Den Computer Mac Pro lässt das Unternehmen fast ausschließlich von Robotern in einem Betrieb in Austin, Texas, fertigen.

Auch wenn das Apple Auto erst 2020 auf den Markt kommen soll und der Konzern es komplett selbst konzipieren will, so muss Apple zweifelsohne frühzeitig bei externen Auftragsfertigern vorfühlen, ob die Unternehmen gegebenenfalls Kapazitäten für die Fertigung haben.

Das Design: Für das Design des Autos wird - wie könnte es anders sein - vornehmlich Jonathan Ive verantwortlich sein. Apples Chefdesigner und wichtigster Mann neben Konzern-Chef Tim Cook ist ein Auto-Fan. Zu seinem Fuhrpark gehört ein silberblauer Aston Martin DB4 (Baujahr 1960), einige Bentleys oder etwa ein Land Rover. Nun sind viele Manager Autofans, und nicht jeder meint, er müsse gleich ein eigenes Auto bauen. Ives ursprünglicher Berufswunsch war allerdings Autodesigner.

Nachdem er die Schule verlassen hatte, belegte er Auto-Design Kurse in London. Ihn störte jedoch der Habitus seiner Mitschüler. "Die Kurse waren voll von Schülern, die ,Brumm Brumm' machten, während sie zeichneten", sagte Ive vor einem Jahr dem britischen Magazin "Time". Das habe ihn abgeschreckt.

Vor wenigen Monaten stieß zu Ives kleinem Entwicklungsteam Mark Newson, ein langjähriger Vertrauter des Apple-Designers. Auch er soll an "special projects" mitwirken. Für ein Porträt über Ive in der US-Zeitschrift "Vogue" erzählte Newson, Ive und er würden zum Abspannen über aus ihrer Sicht schlechte Designs ("shit we hate") philosophieren.

Im Nachhinein sollte einen nicht wundern, dass Newson für das Porträt ausgerechnet auf "Autos" gekommen ist. Insbesondere das Design von US-Modellen stößt nicht auf den Geschmack der beiden. "Wunderschöne Proportionen" seien im Verlauf der Zeit einfach verschwunden. Spätestens in fünf Jahren durfte die Branche wissen, was Newson genau damit meinte.

Das Apple-Auto - ein geschlossenes System?

Immer wenn Apple einen neuen Markt avisiert, heißt es: Kann der Konzern das und wer will das neueste Produkt aus Cupertino überhaupt? Manch Vertreter einer Branche dürfte frühere Aussagen über das Unternehmen bereuen. Legendär ist etwa der Kommentar des damaligen Blackberry-Chefs, der nach der Präsentation des neuen iPhones sagte: "Nicht jeder kann auf einem Stück Glas herumtippen. Jeder Laptop und nahezu jedes andere Telefon hat eine tastbare Tastatur. Unser Design ist unser Vorteil", glaubte damals Co-Chef Jim Balsillie.

Die Autoindustrie stellt sich bereits seit längerem auf Neueinsteiger ein. Ob Tesla oder Google Börsen-Chart zeigen und nun vielleicht noch Apple, neue Antriebstechnologien und das zunehmend vernetzte Auto sind scheinbar Ansporn genug.

"Apple hat außergewöhnlich hohe Kapitalreserven und es gibt genug Entwicklungspartner neben den klassischen Herstellern, die Autos auch entwickeln und montieren können", sagte Andreas Dinger, Partner und Managing Director bei der Boston Consulting Group. "Es wird allerdings nicht leicht. Das ist ein sehr komplizierter Entwicklungsprozess. Sie müssen Aspekte wie Sicherheit und Fahrerdynamik bedenken. Man benötigt schon ein bisschen Erfahrung", sagte Dinger weiter. Der Fertigungsprozess eines Autos sei deutlich schwieriger als bei einem Elektronikprodukt.

Für Neueinsteiger seien die Hürden im Automarkt sehr hoch, aber Tesla habe beispielsweise gezeigt, dass es nicht unmöglich ist. Häufig würden Neueinsteiger scheitern, weil es neben dem hohen finanziellen Investments auch einer starken Marke und eines breiten Vertriebsnetzes bedarf, um erfolgreich zu sein.

Für Dinger ist Apple aber ein potenter Kandidat. "Apple hat die finanziellen Mittel, eine hohe Markenbekanntheit und eine große Kundenbasis", sagte er. Und: Tesla habe gezeigt, dass Auto-Shops nicht aussehen müssen wie klassische Autohäuser.

"Die viel spannendere Frage wird doch sein: was will Apple eigentlich damit erreichen?", sagte der Autoexperte. Es werde sicherlich nicht so sein, dass Apple nur ein weiterer Autohersteller im Markt sein will. "Sie haben immer Software, Services und Hardware zusammengebracht. Und schaffen damit für den Kunden ein geschlossenes System."

Apple folgt seit Jahren einem Leitsatz des US-Informatikers Alan Kay. "Wenn jemandem Software wirklich wichtig ist, dann sollte er die Hardware selber machen", sagte Kay einmal. Wenn das Auto zunehmend ein fahrender Computer wird, dann ist Apples Projekt namens Titan angesichts des Leitsatzes nur konsequent.

Nachrichtenticker

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH