Samstag, 16. Dezember 2017

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App-Anbieter könnten Daten missbrauchen Snowden warnt vor Gesichtserkennung des iPhone X

Face ID beim iPhone X

Das iPhone X hat den Nutzer stets im Blick: Die Gesichtserkennung Face ID kann von Apps für verschiedene Anwendungen genutzt werden. Whistleblower Edward Snowden warnte nun erneut vor dem Missbrauch der Daten, die dabei anfallen.

Die Gesichtserkennung des iPhone X ist gefährlich: Whistleblower Edward Snowden hat erneut vor den Risiken gewarnt, die das neue Feature von Apples Premiumprodukt birgt. Seine Kritik richtete sich dabei nicht so sehr auf die Möglichkeit, dass das Sicherheitssystem überwunden werden kann, sondern vielmehr auf den Missbrauch persönlicher Daten durch Werbetreibende.

In seiner Keynote auf der JBFOne-Konferenz, auf die er live aus Moskau zugeschaltet war, warnte er Medienberichten zufolge, dass Firmen immer mehr Daten sammeln würden, ohne sie ausreichend schützen zu können. Aktuelles Beispiel sei Uber, die in der vergangenen Woche einen Hackerangriff aus dem vergangenen Jahr öffentlich machten. Dabei wurden Millionen von Kundendaten kompromittiert.

Auf seiner Rede vor IT-Experten aus dem Bankensektor wiederholte Snowden nun seine Warnung vor der Gesichtserkennung Face ID, mit der das iPhone X entsperrt werden kann. Dabei kritisierte er Apple, weil der Konzern auch den Entwicklern von Apps Zugriff auf die Daten des Systems einräumt. Der Whistleblower warnte, dass diese leicht missbraucht werden könnten.

Als Beispiel nannte er Werbeanzeigen, die die Aufmerksamkeit des Betrachters überwachen würden. Diese könnten dann das Verhalten der Werbeclips an den Nutzer anpassen, beispielsweise pausieren, wenn der Betrachter sich abwendet. Eine ständig verfügbare Gesichtserkennung eröffne unüberschaubare Missbrauchsmöglichkeiten, sagte Snowden weiter.

Biometrische Merkmale seien laut Snowden mit Blick auf die Sicherheit ohnehin eher eine schlechte Wahl. Die identifizierbaren Merkmale seien nicht veränderbar und könnten dennoch entwendet werden, etwa ein Fingerabdruck, der von einem Smartphone kopiert werden könne.

Snowden hatte bereits zur Vorstellung des iPhone X vor den weit reichenden Gefahren von Apples Face ID gewarnt. Apple mache damit Gesichtserkennung zur Normalität, twitterte er damals. Wenn sich Menschen beispielsweise beim Bezahlen im Supermarkt daran gewöhnen, dass ihr Gesicht gescannt wird, könne dies dazu führen, dass die Technologie für Überwachungszwecke ausgenutzt werde.

Kritisch äußerte sich Snowden auf der JBFOne-Konferenz in der vergangenen Woche auch zu ständig lauschenden Assistenz-Systemen wie Amazon Echo und Google Home. George Orwell hätte sich beim Schreiben von "1984" nicht vorstellen können, dass Menschen eines Tages Lauschgeräte freiwillig in ihren Wohnungen installieren.

In seinem Vortrag kritisierte Snowden vor allem die Datensammelwut der Unternehmen. Diese geschähe oft ohne echte Zustimmung des Anwenders. Die entsprechenden Einverständniserklärungen seien häufig im Kleingedruckten der Nutzungsvereinbarungen versteckt, die kaum ein Nutzer lese.

Der im russischen Exil lebende Whistleblower appellierte daher an die Firmen, nur die Daten zu sammeln, die sie für ihre Geschäftsprozesse brauchen. Außerdem forderte er, dass die Unternehmen stärker als bisher für den Missbrauch der von ihnen erfassten Daten haften sollten.

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