Dienstag, 25. April 2017

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Druck auf Vivendi Investor will Universal Music von Vivendi abspalten

Universal Music betreut unter anderem Künstler wie Madonna - hier bei einem Auftritt bei den Brit Awards

Hamburg - Bis vor kurzem galt das Musikgeschäft als schwer angeschlagen. Die Unternehmen selbst hadern angesichts der andauernden digitalen Herausforderungen mit ihrer Zukunft. Piraterie, drastische Umsatzeinbrüche binnen einer Dekade und viele neue Marktteilnehmer machen den alteingesessenen Musikfirmen das Geschäft schwer.

Nun aber prophezeit ausgerechnet ein aggressiver Investor für ein Musikunternehmen rosige Aussichten. Der aktivistische Investor Peter Schoenfeld und sein Asset Management (PSAM) drängt Frankreichs größten Medienkonzern zur Abspaltung des weltweit größten Musikunternehmens. Vivendi Universal Börsen-Chart zeigen solle Universal Music aus dem Unternehmen herauslösen, weil ansonsten das langfristige Wachstums und die Gewinne des Musiklabels nicht zur Geltung kommen würden, hieß es in einer Präsentation. Das berichtete die Financial Times.

Universal Music ist eine 100prozentige Tochter von Vivendi und betreut Künstler wie Sam Smith, Katy Perry, Taylor Swift, Madonna oder Herbert Grönemeyer. 2014 erlöste das Unternehmen 4,557 Milliarden Euro, 5,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Dafür lag das operative Ergebnis dank Sparmaßnahmen mit 565 Millionen Euro 11,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Vivendi merkte im Geschäftsbericht selbst an, dass die schwächere Umsatzentwicklung der raschen Transformation der Musikindustrie geschuldet sei.

Trotzdem ist dem Investor vor der Zukunft von Universal Music nicht bange. PSAM glaubt an eine gute Zukunft für das Streaming-Geschäft. Dabei hatte Universal gerade erst in den vergangenen Tagen Aufmerksamkeit erregt, weil das Unternehmen den bisherigen Branchenprimus Spotify zu restriktiveren Regeln zwingen will. Spotify solle Nutzern Musik nur noch begrenzt kostenlos anbieten und sie stärker dazu bewegen, ein Bezahlangebot abzuschließen.

Für Vivendi-Chef ist Abspaltung oder Verkauf kein Thema

Universal ist mit einem geringen Anteil an Spotify beteiligt und erhält von Streamingdiensten wie Spotify oder Deezer für jeden abgespielten Musiktitel Lizenzgebühren. In das Geschäft wollen in diesem Jahr auch Apple und Google einsteigen, so dass es angesichts des jeweiligen Kundenstamms wahrscheinlich ist, dass Millionen Nutzer auf ein bezahltes Angebot zurückgreifen werden. Inwieweit das den ohnehin rückläufigen aber noch lukrativeren Verkauf von von CDs oder Downloads beeinträchtigen wird, ist noch nicht abzusehen.

Nach Berechnungen von PSAM sei Universal einschließlich Schulden derzeit 9 Milliarden Euro wert. Der Unternehmenswert könne bis 2018 auf 12,3 Milliarden Euro anwachsen, glaubt der Investor. Vivendi hatte 2013 ein Übernahmeangebot von Softbank für Universal ablehnt. Damals hatte das japanische Telekom-Unternehmen 8,5 Milliarden Euro geboten.

Vivendi-Chef Arnaud de Puyfontaine hatte zuletzt deutlich gemacht, er wolle an Universal festhalten. Ein Verkauf oder eine Abspaltung geschehe nur "über seine Leiche", wurde er zitiert.

PSAM verfügt gerade einmal über einen Anteil von 0,8 Prozent, allerdings kann ein Investor bereits bei einer Beteiligung von 0,5 Prozent das Unternehmen über Veröffentlichungen via Börsenaufsicht öffentlich unter Druck setzen. Im April lädt das Unternehmen zur jährlichen Hauptversammlung ein, und Schoenfeld will noch weitere Investoren für sein Ansinnen gewinnen.

Er erhofft sich durch seine Angriffe auf Vivendi einen höheren Aktienkurs und eine höhere Dividende. Vivendi sitzt nach Veräußerungen von anderen Unternehmenstöchtern auf Cash-Reserven in Höhe von 15 Milliarden Euro. Schoenfeld rechnete Vivendi vor, das Unternehmen könne neun Milliarden Euro der Reserven den Aktionären zukommen lassen. Mit der Abspaltung von Universal würde weiteres Geld in die Kasse kommen.

Vivendi wies Schoenfelds Wünsche bislang zurück und verwies auf eine ausbalancierte Dividendenpolitik.

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