Mittwoch, 25. Mai 2016

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Kriterien für innovative Unternehmen Kontrollierte Fehlschläge gehören dazu

So richtig zufrieden kann Apple CEO Tim Cook mit dem Erfolg der Apple Watch nicht sein. Inzwischen mehren sich die Zeichen, dass die jüngste Apple-Innovation floppt

Die USA gelten als globaler Taktgeber für bahnbrechende Innovationen in Firmen. Wenn Apple, Facebook, Google und Amazon neue Produkte oder Anwendungen ankündigen, sorgt das für Schlagzeilen. Das liegt allerdings eher an der filmreif inszenierten Dramaturgie dieser Events, die einen Medienhype erzeugen, als an der Innovation selbst. Jüngstes Beispiel: Die Apple Watch wurde bei der Vorstellung groß gefeiert, um inzwischen als Synonym für Misserfolg zu dienen, weil beispielsweise die Batterie viel zu schnell schlapp macht.

Warum scheitern solche Innovationen? PA Consulting Group hat dazu 750 Führungskräfte in 15 Ländern und neun Branchen befragt. Die Studie zeigt Innovationskiller und was konkret zu tun ist, um weniger Geld für misslungene Innovationen zu verbrennen.

Ergebnis: Das Problem fängt schon bei der unterschiedlichen Definition von Innovation an; mehr als die Hälfte der Befragten verbindet mit dem Begriff unterschiedliche Dinge, vor allem in den USA und in Deutschland ist dieser Wert sehr hoch (63 Prozent beziehungsweise 64 Prozent). Doch ohne einheitliches Verständnis lässt sich kein übereinstimmendes Innovationsziel erreichen. Weitere vier Punkte sind die größten Handicaps, warum Innovationen in Firmen weltweit scheitern:

1. Risikoangst: Fast drei von fünf Organisationen (58 Prozent) geben an, potenziell erfolgreiche, jedoch risikoreiche Innovationen nicht zu unterstützen. Erstaunlich: Fast die Hälfte der Führungskräfte (47 Prozent) will gar keine Vorreiterrolle für Innovationen übernehmen.

2. Messen des Erfolgs: Nur die Hälfte der Unternehmen versucht überhaupt, die Rendite von Innovationsprojekten zu prognostizieren. Für ein Viertel der Befragten ist die schwierige Messung des ROI das größte Hindernis.

3. Geldmangel: Als größten Innovations-Killer nennen die Befragten das Fehlen von Budget, Mitarbeitern und Kompetenzen.

4. Skalierbarkeit und Umsetzung: Viele Unternehmen haben Probleme, ihre besten Ideen zeitnah zu entwickeln und zu kommerzialisieren. In einigen Ländern wird zwar viel über Innovationen geredet, aber nichts getan. Den Spitzenwert hält hier Großbritannien (62 Prozent), die USA liegen im Mittelfeld (46 Prozent), in Deutschland zählen dagegen Taten statt Reden (35 Prozent).

Solche kulturellen Unterschiede zwischen Ländern zeigen sich auch bei der Herangehensweise. In Deutschland werden kleine Innovationsschritte den bahnbrechenden Neuerungen vorgezogen. Zugleich zeigen sich Unternehmen hierzulande selbstbewusst: acht von zehn (mehr als in jedem anderen Land der Studie) reklamieren die richtigen Kompetenzen, um Ideen zu generieren und zu realisieren; nur 35 Prozent der Befragten haben brillante Ideen scheitern sehen, während auch 47 Prozent von Innovationen als kostspieligen Fehlschlägen berichten. 56 Prozent erstreben eine Vorreiterrolle; doch dieses Ziel wollen sie mit kontinuierlicher Verbesserung statt mit radikaler Veränderung erreichen, so 76 Prozent der Befragten in Deutschland - der Weg zur Elektromobilität ist dafür ein gutes Beispiel.

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