Montag, 18. Dezember 2017

Hoffnung auf das E-Auto-Massengeschäft Tesla Model 3 - Infineon fährt mit

Chip Chip Hurra! Infineon liefert künftig Chips für das neue Elektroauto Model 3, mit dem Tesla-Chef Elon Musk jetzt auch den Massenmarkt zu erobern versucht

Eigentlich schien es so, dass Infineon beim neuen Tesla-Elektroauto Model 3 nicht mehr ins Geschäft kommen und der Wettbewerber STMicroelectronics die Aufträge für das neue Massenmodell allein abgreifen würde. Jetzt aber kommt der deutsche Chiphersteller doch noch zum Zuge.

Wie Infineon am Dienstag in einer Analystenkonferenz erklärte, wird das Unternehmen, das seine Chips zur Steuerung von Batterien und Motoren in 8 von 10 der meistverkauften Elektroautos verbauen lässt, künftig beim Model 3 mit von der Partie sein. "Wir sind beim Model 3 präsent", sagte Konzernchef Reinhard Ploss nach Vorlage der Zahlen zum dritten Geschäftsquartal in einer Telefonkonferenz. Über das mögliche Volumen machte Ploss keine Angaben, STM bleibt als Lieferant bei Tesla auch weiter an Bord.

Infineon-Chips sind bereits im Model S verbaut, das weltweit am meisten verkaufte reine Elektroauto. Doch dürfte das in seiner Grundausstattung 35.000 Dollar teure, für den Massenmarkt konzipierte Model 3 der Sport-Limousine wohl den Rang ablaufen. Dank des neuen Modells will Tesla-Chef Elon Musk die Produktion von Elektroautos von 84.000 Autos im vergangenen Jahr auf eine halbe Million Fahrzeuge 2018 steigen, Kritiker haben hier allerdings Bedenken. Für 2020 peilt Musk die gar die Millionen-Marke an.

Der neue Deal mit Tesla für das Model 3 könnte daher der Automotive-Sparte deutlichen Schub verleihen. Schon jetzt steht die größte Infineon-Sparte für 766 Millionen Euro des Konzernumsatzes. Starkes Wachstum generiert Infineon hier eben vor allem durch die zunehmende Elektromobilität. Bereits nach neun Monaten habe der Halbleiterhersteller in diesem Segment doppelt so viel Neugeschäft generiert wie im gesamten Geschäftsjahr 2016.

Auto-Sparte bereits 43 Prozent des Konzernumsatzes ein

Regional betrachtet bleibe China wichtigster Markt für Infineon, weil hier am meisten neue Elektroautos zugelassen würden. "Unser Erfolg hängt stark von Asien ab", sagte Ploss in der Telefonkonferenz.

Ploss erklärte, Infineon prüfe weiterhin "verschiedene Übernahmeoptionen", nachdem der Chiphersteller den geplanten Zukauf des US-Halbleiterspezialisten Wolfspeed nach dem Veto der US-Regierung abblasen musste. Dabei behalte Infineon gleichwohl auch den US-amerikanischen Markt weiter im Auge, wolle dabei aber Technologien meiden, die aus Sicht der US-Administration die vitalen Sicherheitsinteressen des Landes berühren.

Infineon steigerte dank guter Geschäfte mit Kunden aus der Energiewirtschaft und der Autoindustrie im abgelaufenen dritten Geschäftsquartal seinen Umsatz um 4 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Der Gewinn stieg um gut ein Viertel auf 253 Millionen Euro. Der schwächere Dollar habe noch stärkere Zuwächse bei Umsatz und Gewinn verhindert.

Konzernchef Ploss bekräftigte die Prognose für das am 30. September endende Geschäftsjahr 2016/17: Demnach rechnet Infineon mit 8 bis 11 Prozent mehr Umsatz und einer Rendite von etwa 17 Prozent. "Unsere Auftragsbücher sind extrem voll", versicherte Ploss.

mit Reuters

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