Montag, 21. August 2017

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In der Industrie 4.0 bleibt der Mensch im Mittelpunkt Werden wir alle Entscheider?

Auch für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist das Zusammenspiel mit Robotern noch Neuland, wie hier in Tokio im Museum für Zukunftsorientierte Wissenschaft und Innovation Miraikan. Mit dem Einzug kollaborativer Roboter in die Produktion werden solche Begegnungen in der Arbeitswelt eher die Regel als die Ausnahme.

Werden wir alle zu Entscheidern oder entscheiden in Zukunft nur noch Maschinen in der Produktion? Industrie 4.0 - mit diesem Begriff werden Erwartungen tiefgreifender Veränderungen der industriellen Wertschöpfung im Ausmaß einer industriellen Revolution verbunden. Für viele ist die mit dem Begriff verknüpfte intelligente Vernetzung der Produktion der logische nächste Schritt einer evolutionären Digitalisierung unserer Wirtschaft, unseres Wissens und unseres Miteinanders.

Wie immer, wenn neue Technologien unsere Arbeit verändern, sind damit auch tiefgreifende Veränderungen für die Mitarbeiter verbunden. Neue Qualifikationen werden erforderlich, alte fallen weg, weil sie nicht mehr gebraucht oder auf Maschinen übertragen werden. Soviel ist klar: Produktionsarbeit wird sich wieder einmal verändern und damit auch die Kompetenzen der Produktionsarbeiter. Aber wie?

Entscheider sind Menschen, die wichtige Schlüsselpositionen innehaben und damit für Unternehmen eine besonders hohe Verantwortung tragen. Im Unternehmen werden diese Entscheidungen von Vorständen, Managern und Führungskräften getroffen. Auf dem Shopfloor nehmen heute Lean Management und standardisiert strukturierte Prozesse den Mitarbeitern eine Vielzahl an Entscheidungen ab. Trotzdem bleiben operative Entscheidungen, die heute bereits von den Produktionsmitarbeitern selbst getroffen werden sollten. Auf dem Hallenboden wird bestimmt, welche Aufträge wann und auf welchen Maschinen produziert werden, welche Materialien von welchen Mitarbeitern wann verbaut werden. Bei Störungen wird über Gegenmaßnahmen entschieden. Diese Entscheidungen sind ausschlaggebend für die Qualität und Pünktlichkeit eines Kundenauftrages.

Hans-Jörg Bullinger
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    Hans-Jörg Bullinger war von 2002 bis 2012 Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, der größten Organisation für angewandte Forschung in Europa, heute ist er Senator der Fraunhofer-Gesellschaft und Berater der EU-Kommission in Fragen des Forschungs- und Innovationsmanagements. Das manager magazin kürte ihn 2009 zum Manager des Jahres und nahm ihn 2013 in die Hall of Fame der deutschen Wissenschaft auf.
Industrie 4.0 verspricht, diese vorgegebenen Strukturen durch neue dezentrale und selbstorganisierte Produktionsprinzipien zu revolutionieren. Möglich wird dies in einer Industrie 4.0 durch ein heute nahezu undenkbares Echtzeitabbild der Produktion. Intelligente, vernetzte und sich selbststeuernde Objekte machen jederzeit den aktuellen Stand in der Fabrik transparent. Es existiert die Vision, dass sich Aufträge selbst durch die Fabrik und ganze Wertschöpfungsketten steuern. Sie organisieren sich dabei selbstständig ihr Material, reservieren nötige Bearbeitungsmaschinen und qualifizierte Mitarbeiter. Eine durchgängige horizontale und vertikale Vernetzung von Unternehmensstrukturen ermöglicht in der Industrie 4.0 ein dynamisches Management dieser komplexen Systeme.

Eine Revolution für heutige zumeist starre Produktionssysteme, die vor allem eines verspricht: Produktivität und Wirtschaftswachstum! Eine Studie des Branchenverbands Bitkom in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation stellt allein für sechs deutsche Branchen bis 2025 ein Wertschöpfungspotential von mehr als 78 Milliarden Euro in Aussicht. Neben wirtschaftlichen Potentialen wird durch Industrie 4.0 ein signifikant höheres Maß an Flexibilität und Geschwindigkeit möglich.

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