Samstag, 25. Juni 2016

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Hochauflösende Satellitenbilder Google kann bald vom Himmel unser Gesicht erkennen

Satelllit: Der Blick auf die Erde wird immer schärfer
AP / ESA / P. Carril
Satelllit: Der Blick auf die Erde wird immer schärfer

Ein Blick vom Himmel auf die Erde - über Google Earth ist er auch Otto-Normalverbraucher längst möglich. Nun rüsten die Satellitenbetreiber auf. Dank höherer Auflösung lassen sich aktuell schon Autotypen und Verkehrshinweise erkennen - und bald womöglich noch viel mehr.

Hamburg/London - Im Film "Staatsfeind Nummer Eins" jagt die NSA den von Will Smith dargestellten Rechtsanwalt Robert Clayton Dean - und bleibt ihm dank Satellitenbildern unerbittlich auf den Fersen. Tatsächlich sind zumindest die öffentlich zugänglichen Aufnahmen aus dem All bislang nicht wirklich so genau und auch nicht immer so aktuell. Doch das ändert sich dank neuer US-Gesetzgebung gerade.

Waren die Bilder von Google Earth bislang in der Regel noch etwas älter und grobkörnig, könnte es nicht mehr lange dauern, bis Google Börsen-Chart zeigen und Co. aus dem All auch unser Gesicht erkennen können.

Grundlage dafür ist eine Gesetzesänderung in den USA, die es Satellitenbetreibern wie dem US-Marktführer Digital Globe nun erlaubt, deutlich genauere Satellitenbilder als bislang für kommerzielle Zwecke zur Verfügung zu stellen. Bislang waren diese genaueren Bilder Regierungsinsitutionen wie der NSA vorbehalten. Digital Globe beliefert mit seinem Bildmaterial auch Microsoft Börsen-Chart zeigen für seine Bing maps oder Google. Allerdings hat Google kürzlich selbst in ein Satellitenunternehmen investiert.

Einen entsprechenden Satelliten, der die neuen hochauflösenden Bilder machen kann, schoss Digital Globe vor wenigen Tagen ins All.

Lag die Auflösungsgrenze bislang bei 51 Zentimetern, dürfen künftig kommerziellen Kunden auch Aufnahmen mit bis zu 31 Zentimetern Auflösung zur Verfügung gestellt werden. Bei staatlich betriebenen Aufklärungssatelliten soll die Auflösung angeblich bereits zwischen 15 und 20 Zentimetern liegen, berichtet die BBC.

Milliarden-Markt

Mit der neuen Auflösung lässt sich laut Digital Globe Gründer Walter Scott künftig nicht nur erkennen, wo sich ein Fahrzeug befindet, sondern auch, ob es sich um einen SUV, Lastwagen oder ein Cabrio handelt. "Man kann Buchstaben lesen, die auf die Straße gemalt sind und schätzen, wieviele Kamine und Badezimmer ein Anwesen hat", sagte er dem US-Magazin "Fast Company".

Bis Digital Globe die ersten exakteren Bilder an komerzielle Kunden ausliefern darf, dauert laut BBC es allerdings noch sechs Monate. In denen will die US-Regierung mögliche negative Folgen der Gesetzeslockerung abwägen.

Größter Kunde von Digital Globe ist laut Presseberichten die US National Geospacial Agency, die eng mit der Regierung und nationalen Sicherheitsbehörden zusammenarbeitet. Auch Google und Microsoft gehören zum Klientel, sowie Kunden aus der Energie- und Bergbauindustrie, die die Techniken für den Abbau von Mineralien nutzen oder daraus Rückschlüsse über Bewässerungsanforderungen ziehen.

Hauptwettbewerber von Digital Globe ist laut BBC Airbus Defence and Space, ehemals Airbus Military, Cassidian und Astrium, die selbst eine ganze Reihe Satelliten besitzen - allerdings offenbar mit deutlich geringerer Auflösung als Digital Globe.

Der Markt für die neue Technik ist vielversprechend. Laut Reuters liegt der Umsatz der Branche aktuell bei rund 1,9 Milliarden Euro. Bis 2023 soll er laut einer Schätzung von Euroconsult auf 4,5 Milliarden steigen.

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