Dienstag, 6. Dezember 2016

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Stellenstreichungen HP plant weiteren Jobabbau in Deutschland

Computerhersteller Hewlett-Packard: Offenbar weitere Stellenstreichungen in Deutschland

Der IT-Konzern Hewlett Packard (HP) steht in Deutschland offenbar vor einem zusätzlichen Abbau von Arbeitsplätzen. Damit löst sich auch das Rätsel, warum Deutschlandchef Volker Smid das Unternehmen überraschend verlassen hat.

Hamburg - Die Mitteilung kam spät am Abend, und sie enthielt kein einziges Wort des Dankes. "Volker Smid hat sich entschieden, das Unternehmen zu verlassen", teilte der IT-Konzern Hewlett-Packard (HP) am 6. Juni in ungewohnt harschem Ton mit. Und lobte sogleich die Errungenschaften des künftigen Deutschland-Statthalters Heiko Meyer, der schon seit 1984 im Konzern arbeitet.

Seit 2009 hatte Smid das Geschäft des weltweit größten Computerbauers hierzulande geleitet, er tätigte seinen Job von Böblingen aus eher geräuschlos. Die Branche rätselt deshalb schon seit Wochen, warum der hierzulande hoch angesehene Topmanager so plötzlich bei Hewlett-Packard Börsen-Chart zeigen ausstieg. HP ließ nur mitteilen, der Weggang habe "persönliche Gründe".

HP, einst Ikone des Silicon Valley, steckt in einer schwierigen Umbauphase, seit das Geschäft mit PC und Druckern wegbricht. Die neue Chefin Meg Whitman hat dem Unternehmen deshalb ein weit reichendes Kostensenkungsprogramm auferlegt. Dazu gehören auch Stellenkürzungen in Deutschland, wo rund 10 000 Mitarbeiter beschäftigt sind. So schließt HP hierzulande seinen Service-Standort in Rüsselsheim mit insgesamt 1100 Beschäftigten und kürzte bereits bundesweit weitere 450 Stellen.

Die Zentrale in Palo Alto hat aber darüber hinaus Bedarf angemeldet, noch mehr Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen. Das verlautet aus dem Umfeld des Unternehmens. So sei gegenüber dem deutschen Management der Wunsch geäußert worden, weitere 100 bis 200 Stellen in der deutschen Landesgesellschaft zu streichen, heißt es.

Europäischer HP-Betriebsrat vor außerordentlichem Treff

Smid soll sich schon länger in einer Phase der Entfremdung zur Zentrale befunden haben, sagen Insider. Der Auftrag, neue Abbauprogramme für die Muttergesellschaft voranzutreiben, habe ihn schließlich ganz dazu bewogen, zu gehen. HP teilte mit, es seien derzeit keine weiteren Stellenkürzungen geplant. Smid selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Betriebsräte des Konzerns stellen sich in der Tat auf neue Stellenkürzungen ein, zumal die Zahlen bei HP weiter schlecht sind. Im September will der europäische Betriebsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen kommen, um über die Situation zu beraten.

Wie und wann der neue Deutschland-Chef Meyer den Wunsch der Zentrale nach Stellenkürzungen in Angriff nimmt, ist unklar. Bis Ende Juli noch steht im Smid bei der Einarbeitung zur Seite, dann soll dieser HP endgültig verlassen. Einen neuen Job scheint er noch nicht gefunden zu haben. Immerhin: Zehn Tage nach der plötzlichen Ankündigung des Chef-Wechsels in Böblingen dankte der Aufsichtsrat doch noch dem Scheidenden für seine "hervorragenden Beiträge und sein Engagement für HP in Deutschland".

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