Donnerstag, 24. August 2017

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Alphabet-Gewinn sinkt nach Milliardenstrafe Googles Werbekunden zahlen nicht mehr jeden Preis

Die Umsätze insgesamt steigen , die Erlöse e Klick fallen. Zugleich steigen offenbar die Abgaben an Partner-Websites. Das missfällt den Anlegern von Google

Die milliardenschwere Rekordstrafe der EU-Kommission hat dem Google-Mutterkonzern Alphabet einen Gewinneinbruch eingebrockt. Doch den Anlegern missfällt mehr. So fallen die Erlöse je Klick stärker als gedacht. Werbekunden gehen also selbst bei Google nicht mehr jeden Preis mit.

Im abgelaufenen Quartal brach der Nettogewinn der Google-Mutter Alphabet im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar ein, teilte der Internet-Riese am Montag nach Börsenschluss in den USA mit. Ohne die Rekord-Kartellstrafe der EU hätte Alphabet unter dem Strich 6,3 Milliarden Dollar verdient.

Allerdings gab es in dem Zahlenwerk auch unabhängig von diesem Sonderfaktor ein paar Details, die an der Börse nicht gut ankamen.

Der Umsatz stieg unter anderem dank eines boomenden Werbegeschäfts auf Smartphones und Tablets um 21 Prozent auf 26 Milliarden Dollar. Zudem zahlte sich auch der Fokus auf die Video-Tochter YouTube aus. Dem US-Unternehmen gelang es laut Experten zuletzt immer mehr, großen Fernsehsendern Werbekunden abspenstig zu machen.

Im nachbörslichen Handel ließen die Aktien von Alphabet Börsen-Chart zeigen rund 3 Prozent nach. In diesem Jahr haben die Anteilsscheine etwa ein Viertel an Wert gewonnen. "Was wir hier sehen, sind Gewinnmitnahmen nach einem ziemlich guten Lauf", sagte Analyst Shebly Seyrafi von FBN Securities nach Veröffentlichung der Quartalszahlen.

22,7 Milliarden Dollar Werbeerlöse, Erlöse pro Klick sinken

Die Werbeerlöse des Konzerns, der auch das weit verbreitete Smartphone-Betriebssystem Android und eigene Handys anbietet, machen weiterhin den Löwenanteil des Geschäfts aus. Die Einnahmen in dem Bereich stiegen um 18 Prozent auf 22,7 Milliarden Dollar.

Aber: Auch wenn die Zahl bezahlter Klicks auf Werbeanzeigen um 52 Prozent stieg, sanken die Erlöse pro Klick um 23 Prozent. Bereits im Vorquartal hatte es hier einen Rückgang um 19 Prozent gegeben. Das mit seiner Suchmaschine für herkömmliche PCs groß gewordene Unternehmen konkurriert inzwischen vor allem mit dem führenden Online-Netzwerk Facebook um die stark wachsende Werbung auf mobilen Geräten.

Außerdem fällt der am Markt besonders kritisch verfolgte bereinigte Umsatz, bei dem Abgaben an Partner-Websites abgezogen werden, mit 20,9 Milliarden Dollar deutlich bescheidener aus als die absoluten Erlöse. Alphabet-Finanzchefin Ruth Porat zeigte sich dennoch zufrieden und hob das starke Wachstum bei mobiler Werbung hervor.

Der Marktforscher eMarketer rechnet damit, dass Google in diesem Jahr weltweit etwa 74 Milliarden Dollar mit Werbung einnehmen wird. Das wäre ein Plus von knapp 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Verlust in der Techniksparte sinkt

In den anderen Alphabet-Bereichen, zu denen etwa der Hausvernetzer Nest und die Roboterwagen-Firma Waymo gehören, kletterten die Umsätze im Jahresvergleich von 185 auf 248 Millionen Dollar. Zugleich konnte der operative Verlust von 855 auf 722 Millionen Dollar verringert werden. Experten hatten in der als "andere Wetten" bezeichneten Sparte, die teilweise sehr kostspielige Zukunftsinitiativen bündelt, mit einem deutlich höheren Minus gerechnet.

Die EU-Kommission hatte Google im Juni die mit Abstand höchste Geldbuße gegen ein einzelnes Unternehmen wegen Missbrauchs seiner Marktmacht aufgebrummt. Der US-Internetkonzern muss 2,42 Milliarden Euro Strafe zahlen, weil er seine marktbeherrschende Stellung mit seinem Preisvergleichsdienst missbraucht haben soll. Alphabet teilte umgehend mit, das komplette Bußgeld im zweiten Quartal verbuchen zu wollen.

Rei/Reuters/dpa

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