Samstag, 26. Mai 2018

Revolte gegen Beteiligung an Kriegstechnologie Soll Google dem Pentagon beim Töten helfen?

US-Predator-Drohne: Das US-Militär will die Effizienz seiner Drohnenaktivitäten verbessern und setzte dabei auf die Hilfe großer US-Tech-Konzerne
Tsgt Effrain Lopez/ U.S. Air Force/ DPA
US-Predator-Drohne: Das US-Militär will die Effizienz seiner Drohnenaktivitäten verbessern und setzte dabei auf die Hilfe großer US-Tech-Konzerne

Beim Internetkonzern Google brodelt es erheblich. Laut der US-Techseite Gizmodo haben etwa zwölf Mitarbeiter der Konzerns ihren Job gekündigt, Tausende weitere eine Protestnote unterzeichnet, weil sie ein Militär-Projekt, an dem Google beteiligt ist, ablehnen und nicht verantworten wollen.

Bei der Google-Beteiligung an dem Pentagon-Projekt namens "Maven" geht es darum, die Auswertung von Drohnenaufnahmen mit Hife künstlicher Intelligenz zu beschleunigen und deren Inhalte automatisch zu klassifizieren.

Zusätzlich zu den von Gizmodo berichteten Kündigungen haben offenbar fast viertausend Mitarbeiter einen Protestbrief unterschrieben, in dem sie den Konzern auffordern, die Finger von Kriegstechnologien zu lassen.

"Wir finden, dass Google nichts im Kriegsgeschäft zu tun haben sollte", heißt es in dem Brief an Google-Chef Sundar Pichai,von dem bereits vor einigen Wochen die "New York Times" berichtete. Zudem forden die Unterzeichnen ein grundlegendes Bekenntnis des Konzerns, der einst mit dem Motto "Don't be evil" an den Start gegangen war, keine Kriegstechnologien zu entwickeln.

Der Konzern, der sich in der Vergangenheit mit einer offenen Diskussionskultur rühmte und auch schon seine Firmenpolitik in bestimmten Bereichen nach Einwänden seiner Mitarbeiter änderte, zeigte sich indes bislang unbeeindruckt von den ethischen Bedenken. Der Konzern verteidigte seine Arbeit an Maven als "nicht offensiv"und erklärte demnach, nur Open-Source-Software zu verwenden, auf die das Pentagon auch ohne Zahlungen an Google und dessen technischen Hilfe Zugang hätte.

Daran, dass das Ziel von Projekt Maven mehr Effizienz bei Drohnenschlägen im Ausland ist, kann angesichts der Pentagon-Darstellung kein Zweifel herrschen. Ziel sei es, dass "ein Analyst künftig zwei, möglicherweise sogar drei Mal soviel Arbeit erledigen kann wie bisher", heißt es hier in einer offiziellen Darstellung.

Zudem ist Google ganz offensichtlich bemüht, auch bei einem weiteren Projekt des Pentagon einen Fuß in die Tür zu bekommen, der Joint Enterprise Defense Infrastructure, besser bekannt unter dem Kurznamen JEDI.

Geld, das nicht nur Google lockt. Auch Amazon und Microsoft arbeiten bereits in beträchtlichem Umfang mit dem US-Militär zusammen und machen aus dieser Kooperation kein Geheimnis.

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