Dienstag, 27. September 2016

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Silicon Valley Wie die Tech-Riesen ihre Mitarbeiter verhätscheln

Google, Facebook, Evernote: Arbeiten im Wellness-Park
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DPA

Gratis-Lunch, Baby-Cash, Pilates am Arbeitsplatz: Die Techkonzerne im Silicon Valley verwöhnen ihre Mitarbeiter nach Strich und Faden. Resultat: Die verhätschelte Tech-Elite kapselt sich immer mehr von der realen Welt ab.

Linda Kozlowski fährt im Evernote-Pendelbus von ihrer Wohnung in San Francisco zur Arbeit in Redwood City. Die Fahrt ins Silicon Valley kann je nach Verkehr auf dem Highway 101 eineinhalb Stunden dauern. Wenn ihr nach Arbeiten ist, kein Problem: Wie alle Shuttles von Silicon-Valley-Firmen verfügt der Bus über W-Lan. Frühstücken kann die Mitarbeiterin des Online-Notizen-Diensts umsonst im Job, zu Mittag essen auch, naschen sowieso.

Was übrig bleibt, darf mit nach Hause genommen werden. Evernote serviert keinen Kantinenfraß. Fünf Mal die Woche kommt ein Caterer, immer ein anderer.

An diesem sonnig-warmen Märztag grillt der hippe Metzger 4505 Meats aus San Francisco im Garten Chicken Beer Sausages und Cheddar Bratwurst. Dazu gibt es Kartoffelsalat und ein Dutzend andere Salatsorten. Hinter dem grün überwucherten Zaun rauscht die achtspurige Autobahn.

Dienstags um 15 Uhr ist jeweils "Tea Time", dann werden in der lichtdurchfluteten Eingangshalle Tee und Kekse serviert. Wer was Stärkeres braucht, dem wird aus der dort aufgestellten Marzocco ein Espresso oder Caffè Latte gezaubert. Gerne auch vom Evernote-CEO Phil Libin. "Wir alle können von Baristas lernen, wie man Kaffeegetränke richtig zubereitet", sagt Kozlowski. Bei Tee und Kaffee plaudern die Mitarbeiter mit den Managern, das schafft Nähe, bindet.

Jährlich 1000 Dollar für die Ferien - und so viel Urlaub wie angemessen

Genau so wie die großzügige Urlaubsregelung. Jeder Evernote-Mitarbeiter kriegt jährlich 1000 Dollar für die Ferien und kann soviel Urlaub nehmen, wie er angemessen findet. Jeder Mitarbeiter erhält ein Fitbit-Fitnessarmband, es gibt ein Fitnesstudio und Tischtennis, und wer einen Nissan LEAF kauft, kriegt den subventioniert.

Das Elektroauto, das in den weniger verstopften Carpool-Spuren in Kalifornien fahren darf, kann selbstverständlich kostenlos in der Firmengarage geladen werden. Dies ist nur ein Beispiel unter vielen: In seiner neuen Ausgabe beschreibt manager magazin im Detail, das zeigt, wie stark sich die Tech-Elite von der realen Welt abgekoppelt hat.

Evernote bezahlt zudem jedem Mitarbeiter alle zwei Wochen eine Putzfrau. "All diese Annehmlichkeiten erleichtern unser Leben, so sind wir weniger abgelenkt", erklärt Kozlowski, die bei Evernote das internationale Marketing verantwortet. "Wenn wir nicht daran denken müssen, dass wir täglich drei Stunden unproduktiv im Auto im Stau stehen oder dass wir am Abend noch die Wohnung reinigen sollten, sind wir entspannter und können uns mehr auf die Arbeit konzentrieren."

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